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Deutscher Krebsforscher bekommt Medizin-Nobelpreis - Zur Hausen entdeckte Virus als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs

Agence France-Presse - Oktober 6, 2008


Stockholm/Heidelberg, 6. Oktober (AFP) - Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen. Er teilt sich den Preis mit den Franzosen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier, wie das Karolinska-Institut in Stockholm am Montag mitteilte. Zur Hausen wies nach, dass das Humane Papilloma-Virus (HPV) Gebärmutterhalskrebs auslöst. Seine Forschungen führten zur Entwicklung eines Impfstoffes, mit dem sich Patientinnen inzwischen gegen diese zweithäufigste Krebsart bei Frauen nach Brustkrebs schützen können. Montagnier und Barré-Sinoussi entdeckten 1983 das HI-Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst.

Zur Hausen habe sich in seiner Forschung gegen die geltende Lehrmeinung gewandt und postuliert, dass das Papillomavirus Gebärmutterhalskrebs auslöst, erklärte die Jury zur Begründung ihrer Entscheidung. Fünf Prozent aller Krebserkrankungen gehen auf menschliche Papillomaviren zurück. An HPV-bedingtem Krebs erkranken jährlich weltweit 500.000 Frauen, in Deutschland sind es 6500 Fälle pro Jahr. Heute kann eine Infektion mit dem Virus durch einen einfachen Test entdeckt werden, außerdem stehen zwei wirksame Impfstoffe bereit. Die Ständige Impfkommission in Deutschland rät seit März vergangenen Jahres allen Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren zur Impfung gegen HPV.

Der 72-jährige zur Hausen ist emeritierter Professor und leitete 20 Jahre lang das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Die Nachricht vom Nobelpreis habe bei ihm "große Überraschung und große Freude" ausgelöst, berichtete er. Obwohl er gewusst habe, dass er vorgeschlagen war, habe er mit der Auszeichnung überhaupt nicht gerechnet.

Barré-Sinoussi vom renommierten Pasteur-Institut und der emeritierte Professor und Leiter der Welt-Stiftung für Aids-Forschung Montagnier in Paris entdeckten 1983 das Aids-Virus HIV und trugen damit erheblich zur Bekämpfung der Krankheit bei, an der seit Anfang der 80er Jahre 25 Millionen Menschen starben. 33 Millionen Menschen leben heute mit der Krankheit. Die Entdeckung sei "unabdingbar für unser heutiges Verständnis der Krankheit" gewesen, außerdem habe sie Diagnose-Methoden und Bluttests ermöglicht, die "die Ausbreitung dieser Pandemie eingeschränkt hat", schrieb das Nobelpreiskomitee.

Aids erregte erstmals 1981 Aufmerksamkeit, als wachsame US-Mediziner dem rätselhaften Tod zahlreicher junger Homosexueller in Kalifornien und New York nachgingen. Zu Montagniers und Barré-Sinoussis Entdeckung trugen auch die Arbeiten des US-Forschers Robert Gallo bei, der zweifelsfrei nachwies, dass das HI-Virus tatsächlich die Ursache der Immunschwächekrankheit Aids ist. Die Wissenschaftler stritten mehrere Jahre über die Frage, wer das Virus als erster entdeckte. Das Nobelkomitee erwähnte Gallo am Montag nicht. Montagnier widmete seinen Nobelpreis "den Aids-Kranken der Welt" und sagte die Entwicklung eines therapeutischen Aids-Impfstoffs binnen der nächsten vier Jahre voraus.

In Deutschland löste die Auszeichnung Begeisterung aus. Bundespräsident Köhler hob in seinem Glückwunschschreiben an zur Hausen die Leistung des Forschers "als Verdienst um die Menschheit". Der Preis festige "den guten Ruf, den die Wissenschaft in Deutschland sich weltweit erarbeitet hat. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bezeichnete zur Hausen als "außergewöhnlichen Wissenschaftler". Der Preis bestätige die Vorreiterrolle, die Deutschland und das Deutsche Krebsforschungszentrum international einnähmen.

Der kommissarische SPD-Vorsitzende Frank-Walter Steinmeier erklärte, zur Hausen sei "ein grundlegender Beitrag zur Früherkennung und Heilung dieser Krankheit gelungen". Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, sieht in der Auszeichnung einen Beleg für die Leistungsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems. Ähnlich äußerte sich die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Dagmar Schipanski.

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