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Clinton wirft Rivalen Obama elitäre Haltung vor - Präsidentschaftsanwärter diskutieren über Glaubensfragen

Agence France-Presse - April 14, 2008


Washington, 14. April (AFP) - Knapp zwei Wochen vor den Vorwahlen der Demokraten im US-Bundesstaat Pennsylvania ist die Religiosität zum Streitthema der beiden Bewerber geworden. Hillary Clinton kritisierte Äußerungen Obamas als "elitär, abgehoben und offen bevormundend". Er habe keinen Respekt für die Menschen, die ihren Trost in der Religion suchten, sagte die Senatorin am Sonntagabend (Ortszeit) bei einer Diskussion über Religion im Messiah College im US-Bundesstaat Pennsylvania. Clinton reagierte damit auf Obamas Äußerungen zur Arbeiterklasse, die sich an die Religion klammere. Obama wies die Vorwürfe zurück.

Obama hatte vergangene Woche bei einer Veranstaltung zum Sammeln von Wahlkampfspenden gesagt, viele Wähler der weißen Arbeiterklasse hätten sich nach Jahren des wirtschaftlichen Abschwungs von der Politik in Washington abgewendet. "Es ist also nicht überraschend, wenn sie verbittert werden, sich an Waffen klammern oder an Religion oder an die Abneigung gegenüber Leuten, die nicht so sind wie sie", führte Obama danach aus. "Meine Worte waren ungeschickt, was überraschend oft in einer Präsidentschaftskampagne passiert", sagte Obama mit einem Seitenhieb auf Clintons verbale Ausrutscher im Wahlkampf bei der live im Fernsehen übertragenen Veranstaltung.

Religion spielt in der US-Politik eine große Rolle. Die überwiegende Mehrheit der US-Bürger würde demnach nur einen gläubigen Christen ins Präsidentenamt wählen. Clinton mahnte, die Demokratische Partei sei in der Vergangenheit von vielen als Partei betrachtet worden, die die Werte und den Lebenswandel vieler US-Bürger nicht respektiere. Obama betonte bei der Diskussionsrunde, bei der christliche, jüdische und muslimische Geistliche Fragen stellen durften, dass der Glaube für ihn eine wichtige Rolle spiele. In seinem Leben sei die Religion "ein Bollwerk und Fundament, wenn etwas gerade nicht gut läuft" und er bemühe sich, ein Instrument von Gottes Willen zu sein.

Bei den Themen Abtreibung, Aids und Sterbehilfe vertraten beide ähnliche Positionen. "Abtreibung sollte legal bleiben, jedoch sicher sein und die Ausnahme bleiben", forderte Clinton. Auch Obama unterstützte das Recht auf Abtreibung, fügte aber hinzu, er könne auch die Gegenpositionen nachvollziehen. Letztlich liege die Entscheidung in der Verantwortung einer jeden Frau. Im Kampf gegen Aids forderten beide Demokraten, mehr Ressourcen bereitzustellen. "Wichtig ist vor allem auch die richtige Aufklärung", sagte Obama.

Aus dem Plenum nach dem Thema Sterbehilfe gefragt, entgegneten die Präsidentschaftsanwärter, sie wollten nicht an Stelle der Familien solch eine Entscheidung über das Leben eines Menschen treffen. Clinton fügte hinzu, sie werde keine Regierungsmaßnahme dulden, die zu Sterbehilfe ermutige oder sie legitimiere.

In Pennsylvania finden am 22. April Vorwahlen der Demokraten statt. Clinton benötigt hier nach Einschätzung ihrer Berater einen klaren Sieg, um ihre Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur aufrecht zu erhalten. Clintons Vorsprung in Pennsylvania war zuletzt geschrumpft. Nach derzeitigem Stand hat keiner der Kandidaten bisher die für die Präsidentschaftskandidatur nötigen 2025 Delegierten-Stimmen. Der Kandidat der Demokraten wird beim Parteitag im August bestimmt.

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