
Paris, 23. Januar (AFP) - In Nordfrankreich ist einer der größten je dagewesenen Medizinskandale aufgedeckt worden: Tausende Patienten ließen sich in den vergangenen Jahren bei einem belgischen Radiologen untersuchen, in dessen Praxen grundlegende Hygienestandards nicht eingehalten wurden, wie das Gesundheitsministerium in Paris am Mittwoch bestätigte. Die Zeitschrift "L'Express" hatte zuvor im Internet berichtet, die Mitarbeiter der Praxen hätten vor Ultraschalluntersuchungen die Geräte nicht desinfiziert. Es bestehe daher die Gefahr, dass Aids oder Hepatitis auf Patienten übertragen worden sei. Außerdem habe der Arzt möglicherweise falsche Brustkrebsdiagnosen gestellt, weil er dafür keine Zulassung gehabt habe.
Das Gesundheitsministerium werde einen Teil der rund 6800 Patienten anschreiben, die sich in den vergangenen drei Jahren in den radiologischen Praxen untersuchen ließen, sagte die Pressesprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Sie sollten zu einer Kontrolluntersuchung gebeten werden. Bei Praxiskontrollen im Dezember hätten die Aufsichtsbehörden "schwere Störungen" festgestellt. Die fünf Praxen des Radiologen in den Verwaltungsbezirken Nord und Aisne seien daraufhin geschlossen worden. Gutachter sollten kommende Woche mitteilen, wie groß das Ansteckungsrisiko für die Patienten war.
Obendrein bestehe auch die Gefahr, dass Patienten und Mitarbeiter bei den Röntgenuntersuchungen Strahlenschäden erlitten hätten, hieß es im Ministerium. Das Personal sei teilweise nicht richtig ausgebildet gewesen, und Geräte seien nicht fachgerecht gewartet worden. Der "Express" sprach von einem "Hygienefiasko".
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