
Polokwane, 18. Dezember (AFP) - Solche Skandale hätten für jeden anderen Politiker das Ende der Karriere bedeutet. Doch Jacob Zuma hat sich nach jedem Sturz aufgerappelt und besiegte am Dienstag unerwartet deutlich den Staatspräsidenten Thabo Mbeki im Kampf um den Vorsitz des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Bei den Delegierten des Parteitags in Polokwane stand der 65-Jährige von Anfang an hoch im Kurs. Jetzt kann der Mann, der vor zwei Jahren wegen Vergewaltigung vor Gericht stand, sich ernsthafte Hoffnungen auf das Amt des Staatspräsidenten machen.
Der Vergewaltigungsprozess hatte vor zwei Jahren nicht nur Frauenrechtler gegen Zuma aufgebracht. Zwar wurde er freigesprochen, allerdings hatte er vor Gericht erzählt, dass er sich zur Sicherheit nach dem Verkehr mit der HIV-infizierten Frau gründlich geduscht habe. Das sorgte auch bei Aids-Aktivisten für Empörung. Weil damals einer seiner Vertrauten obendrein in Korruptionsaffären verwickelt war, wurde Zuma von Mbeki aus dem Amt des Vize-Staatspräsidenten entlassen.
Die Affären aber tun der Beliebtheit dieses Mannes keinen Abbruch. Zuma ist der Liebling der Armen und Benachteiligten in Südafrika. "In Zuma erkennen wir uns selbst wieder, wir sehen Bescheidenheit, Erdverbundenheit. Wir sehen jemanden, mit dem wir sprechen können, jemanden, der die Menschen liebt", sagte ein führender Gewerkschafter.
Und auch mit dem ANC ist das Schicksal des neuen Parteichefs von jeher eng verbunden. Zuma kam in einem Dorf in der Provinz KwaZulu-Natal zur Welt und wuchs als Arbeitersohn ohne Schulbildung auf. 1958 trat er dem ANC bei. Fünf Jahre später wurde er wegen Verrats vom Apartheidsregime verurteilt und saß zehn Jahre auf der Gefangeneninsel Robben Island vor Kapstadt zusammen mit Nelson Mandela in Haft. Später lebte er zwölf Jahre im Exil.
Nach der Aufhebung des ANC-Verbots 1990 kehrte Zuma in seine Heimat zurück. An den Gesprächen mit der regierenden National Party über die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit war er maßgeblich beteiligt. Später wurde er Wirtschaftsminister von KwaZulu-Natal, bevor er 1999 zum südafrikanischen Vize-Präsidenten aufstieg - und sechs Jahre später gefeuert wurde. Jetzt ist er zurückgekehrt - und kann 2009 zuversichtlich das höchste Staatsamt anstreben.
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