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Aids kostet jährlich 500 Menschenleben in Deutschland - Umfrage: Zwölf Prozent der Bürger sehen Panikmache

Agence France-Presse - November 29, 2007


Wiesbaden/Berlin, 29. November (AFP) - Vor dem Welt-Aids-Tag am Samstag veröffentlichte Zahlen zur Verbreitung der Immunschwäche belegen, dass es auch in Deutschland längst keinen Grund zur Entwarnung gibt. Zwar ist die Zahl der Todesfälle hierzulande seit Mitte der neunziger Jahre rückläufig, doch sterben noch jährlich in Deutschland rund 500 Menschen an den Folgen der Immunschwäche, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Weltweit waren es vergangenes Jahr rund 2,1 Millionen Erwachsene und Kinder.

Nach der Statistik des Bundesamts erlagen von 2002 bis 2006 jährlich zwischen 518 und 504 Menschen in Deutschland den Folgen der Immunschwäche. 83 Prozent der Opfer waren im vergangenen Jahr Männer, 17 Prozent waren Frauen. Im Vergleich zu 1996 sank die Zahl der Todesfälle 2006 allerdings um 68 Prozent, was auf einen Erfolg der Langzeitmedikationen hinweist. Das durchschnittliche Sterbealter stieg in diesem Zeitraum von 41 auf 48 Jahre und acht Monate.

Gleichwohl nimmt auch in Deutschland die Zahl der HIV-Infizierten stetig zu. Nach einer zu Wochenbeginn veröffentlichten Schätzung des Robert-Koch-Instituts werden Ende 2007 etwa 59.000 Menschen hierzulande mit HIV oder Aids leben. 3000 Menschen infizierten sich damit dieses Jahr neu mit dem HI-Virus, fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu den Ursachen könnte nach wie vor mangelnde Aufklärung gehören. Laut einer Umfrage des Männer-Lifestylemagazins "Men`s Health" glaubt fast jeder zehnte Deutsche, er könne sich nach dem Sex das Virus einfach wegduschen. Zwölf Prozent seien sicher, dass Gleitgel die Gefahr absorbiert. Und ebenso viele seien der Meinung, Aids sei nur Panikmache der Pharmaindustrie, "um möglichst viel Geld zu scheffeln", teilte das Magazin in Hamburg mit.

Weltweit sind nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit 33,2 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 15 Millionen Kinder haben ein oder beide Elternteile durch die Immunschwächekrankheit verloren. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul nannte die Zahlen dramatisch. "Der Kampf gegen Aids ist und bleibt ein zentraler Schwerpunkt unserer Entwicklungszusammenarbeit", erklärte die SPD-Politikerin.

Kinder gehören weltweit zu den Hauptopfern der Krankheit. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF stecken sich jeden Tag weltweit rund 1100 Mädchen und Jungen unter 15 Jahren mit dem Aids-Erreger HIV an. Die Gesamtzahl der infizierten Kinder stieg seit 2001 von rund einer Million auf heute etwa 2,5 Millionen, teilte UNICEF in Köln mit.

Neun von zehn der betroffenen Kinder stecken sich den Angaben zufolge während oder direkt nach der Geburt bei ihrer Mutter an. Die Übertragung des Virus von der Mutter auf ihr Baby könnte man aber "nahezu verhindern", erklärte der Vorsitzende des deutschen Forschungsverbundes Kompetenznetz HIV/AIDS, Norbert Brockmeyer. Doch für fast 90 Prozent der schwangeren Frauen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara gibt es laut UNICEF bisher weder Test- noch Behandlungsmöglichkeiten. UNICEF und die Aids-Forscher forderten Bundesregierung und Pharmaindustrie deshalb auf, mehr Mittel in die Erforschung, Prävention und Behandlung von Aids-Infektionen bei Kindern zu investieren.

Wieczorek-Zeul erklärte, Deutschland werde ab kommendem Jahr seinen jährlichen Beitrag für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) mehr als verdoppeln und dann 200 Millionen Euro pro Jahr einzahlen. Ihr Ministerium werde dann insgesamt 500 Millionen Euro für den weltweiten Kampf gegen Aids, Malaria, Tuberkulose und für die Förderung von entsprechenden Gesundheitssystemen zur Verfügung stellen.

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