
Sanya, 30. November (AFP) - Die hundert schönsten Frauen der Welt treten am Samstag zur Miss-World-Wahl in China an, doch diesmal soll der Wettbewerb mit einer HIV-Aufklärungskampagne mehr sein, als schnöde Fleischbeschau. Was von vielen Kritikern als sexistischer Anachronismus gegeißelt wird, findet diesmal am Welt-Aids-Tag statt und soll deshalb nützliche Information über die Krankheit verbreiten. Die Chefin der Miss-World-Organisation, Julia Morley, lud die älteste Tochter des südafrikanischen Politikers Nelson Mandela und dessen Enkel ein, die seit dem Tod eines Mandela-Sohns an einer Aids-verwandten Krankheit Vorkämpfer bei der Aufklärung über das Immunschwäche-Virus HIV sind.
"Aids ist eine unserer größten Herausforderungen", sagte Mandela-Enkel Mandla auf einer Pressekonferenz in Sanya, einem beliebten Ferienort auf Hainan, das auch das "chinesische Hawaii" genannt wird. Der Tod seines Vaters Makgatho, Mandelas Sohn, "hat uns dazu gebracht, uns als Familie zusammenzuschließen und etwas gegen die Verbreitung dieser Epidemie zu tun". Der Anlass ist dabei gut gewählt, wird der Schönheitswettbewerb doch den Organisatoren zufolge von zwei Milliarden Menschen in mehr als 200 Ländern verfolgt werden.
Am Freitag fanden die letzten Vorbereitungen der 106 Teilnehmerinnen statt. Abwesend bei dem internationalen Wettkampf sind Birma und die meisten islamischen Staaten - Miss Türkei, Miss Indonesien und Miss Malaysia einmal ausgenommen. Obwohl die Veranstaltung vielen als Lachnummer gilt, führte sie in der Vergangenheit sogar schon zu gewalttätigen Ausschreitungen, die die Verlegung des Austragungsortes nach sich zogen. Im Jahr 2002 wurden in Nigeria 200 Menschen bei Krawallen zwischen Muslimen und Christen getötet, nachdem eine Zeitung geschrieben hatte, der Prophet Mohammed hätte seine Ehefrau sicher aus dem Kreis der Bewerberinnen gewählt, wenn er noch lebendig wäre. Die Wahl wurde daraufhin nach London verlegt.
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