
Berlin, 26. November (AFP) - Die Zahl der HIV-Infizierten in Deutschland steigt auch in diesem Jahr weiter an. Nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden Ende 2007 etwa 59.000 Menschen hierzulande mit HIV oder Aids leben. 3000 Menschen infizierten sich damit dieses Jahr neu mit dem HI-Virus, fünf Prozent mehr als im Vorjahr, erklärte eine RKI-Sprecherin am Montag in Berlin. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) steigt zugleich die Zahl derer, die sich als "Botschafter" zum Welt-Aids-Tag am Samstag für den Schutz vor Aids und die Solidarität mit Betroffenen engagieren.
Laut RKI sind die meisten HIV-Infizierten (49.000) Männer, die sich in zwei von drei Fällen bei gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten angesteckt haben. Zu weiteren Infektionsrisiken zählen demnach heterosexuelle Kontakte und intravenöser Drogenkonsum. Unter den 59.000 Betroffenen sind laut RKI auch etwa 350 Kinder, die die HIV-Infektion über ihre Mutter erworben haben. 9500 der Infizierten hierzulande leiden an der Immunschwächekrankheit Aids. Das Institut rechnet bis Jahresende mit insgesamt 650 Todesfällen bei den HIV-Infizierten.
Seit 1995 nimmt die Zahl der HIV-Infizierten und Aids-Erkrankten in Deutschland stetig zu. Während die Zahl der jährlichen Neuinfektionen in den 1990ern etwa bei 2000 lag, steigt sie seit sieben Jahren ebenfalls wieder an. Trotz moderner Medikamente bleibe HIV unheilbar und die Entwicklung von Impfstoffen schwierig, betonte RKI-Präsident Reinhard Kurth am Montag. Forschung und Vorbeugung müssten daher "unverändert einen hohen Stellenwert haben".
BZgA-Direktorin Elisabeth Pott erklärte, für letzteres Ziel müssten gerade "die nachwachsenden Generationen immer wieder aufs Neues informiert und für verantwortliches Verhalten gewonnen werden". Dass heute 68 Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren regelmäßig Kondome benutzten - elf Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren - zeige, "dass die Botschaften ankommen". Pott hob hervor, mehr als ein Drittel der 2200 "Botschafter" zum bevorstehenden Welt-Aids-Tag sei zudem jünger als 20 Jahre. Zu deren persönlichem Engagement kämen bundesweit etwa 240 Aktionen von Schulklassen, Betrieben oder Vereinen, sagte eine Sprecherin der Bundeszentrale.
Die FDP-Bundestagsfraktion betonte, die erfolgreichen Kampagnen wie "Gib Aids keine Chance" dürften nicht dazu führen, dass die Gefahren der Immunschwäche unterschätzt würden. Daher gelte es, bei Aufklärung und gezielter Vorbeugung nicht nachzulassen, erklärte der sucht- und drogenpolitische Sprecher der Fraktion, Detlef Parr.
Derweil erklärte der nationale Forschungsverbund "Kompetenznetz HIV/Aids" - ein Zusammenschluss von Unikliniken, Krankenhäusern, Ärzten in Schwerpunktpraxen und der Deutschen Aids-Hilfe - am Montag in Bochum, dank öffentlicher Förderung könne er seine Arbeit auch in den kommenden drei Jahren fortsetzen. Das Bundesforschungsministerium habe für diesen Zeitraum weitere 3,6 Millionen Euro bewilligt.
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