
Tripolis/Sofia, 10. August (AFP) - Die Gaddafi-Stiftung hat nach eigenen Angaben schon seit Jahren über die Folter der bulgarischen Krankenschwestern in libyscher Haft berichtet. "Wir haben seit Jahren von Missbrauch gesprochen und der ganzen Welt Fälle von Folter enthüllt", sagte ein Mitarbeiter der Stiftung am Freitag in Tripolis der Nachrichtenagentur AFP. Libyens Justiz habe in dem Fall anders entschieden. Stiftungs-Chef Seif el Islam Gaddafi hatte am Mittwoch bestätigt, dass die Krankenschwestern und der palästinensisch-stämmige Arzt gefoltert wurden. Die sechs in Libyen wegen eines Aids-Skandals Verurteilten hatten stets erklärt, ihnen seien 1999 falsche Geständnisse abgepresst worden.
Die fünf Krankenschwestern und der Arzt saßen acht Jahre lang in libyscher Haft und waren wiederholt zum Tode verurteilt worden. Die libysche Justiz sah es als erwiesen an, dass die sechs 438 Kinder vorsätzlich mit dem Aids-Virus HI infiziert hatten. Im Juli wurden die Strafen in letzter Instanz in lebenslange Haft umgewandelt, was den Weg für ihre Rückkehr nach Bulgarien freimachte. Dort wurden sie umgehend begnadigt. Die bulgarische Justiz will jetzt Libyen verklagen und holte deswegen Aussagen der sechs ein. Diese hatten sich vor der Abreise aus Libyen verpflichtet, selbst nicht juristisch gegen den nordafrikanischen Staat vorzugehen.
Seif el Islam Gaddafi hatte im Nachrichtensender El Dschasira Angaben des Arztes teilweise bestätigt, der über Vergewaltigungen und Folter unter anderem mit Stromstößen, Schlafentzug und Drogen berichtet hatte. "Es hat Folter mit Strom gegeben", hatte der Sohn von Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi gesagt. Zudem hätten die Behörden den Gefangenen "Angst gemacht", indem sie mit Angriffen auf die Familie des Arztes gedroht hätten. Bei der Untersuchungskommission in Bulgarien hieß es, die Gefangenen hätten über "psychologische und körperliche Gewalt" berichtet, der sie 1999 ausgesetzt gewesen seien.
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