
Heiligendamm, 8. Juni (AFP) - Die G-8-Staaten haben sich in Heiligendamm auf ein milliardenschweres Hilfsprogramm für Afrika geeinigt. 60 Milliarden Dollar, umgerechnet gut 44 Milliarden Euro, sollen der am Freitag verabschiedeten Abschlusserklärung zufolge in den kommenden Jahren zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose bereit gestellt werden, die Hälfte davon aus den USA. "Die Botschaft ist: Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden unsere Verpflichtungen erfüllen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Gespräch der Staats- und Regierungschefs der G-8 mit den Staatschefs mehrerer afrikanischer Staaten.
Die G-8-Staaten bekannten sich auch zu ihren früheren Versprechen für eine kontinuierliche Aufstockung der Entwicklungshilfe für Afrika. Die Zusagen sind verknüpft mit Erwartungen der G-8 an die afrikanischen Staaten, wie Merkel weiter erläuterte. Dabei geht es besonders um Fragen der Demokratie, Korruptionsbekämpfung und guten Regierungsführung. Das Programm zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten soll aus vorhandenen Entwicklungsgeldern finanziert werden, wie aus der deutschen Delegation bestätigt wurde. Die afrikanischen Staaten sollen dafür auch Eigenleistungen erbringen, zum Beispiel beim Ausbau des Gesundheitswesens.
Der ghanaische Präsident John Kufuor schlug eine feste Institution vor, in deren Rahmen sich Industriestaaten und afrikanische Staaten gegenseitig Rechenschaft ablegen können. Kufuor, der derzeit die Präsidentschaft der Afrikanischen Union (AU) innehat, mahnte die G-8, "ihre Versprechungen auch zu erfüllen". Gleichzeitig versicherte er, auch die Afrikaner seien sich der von ihnen eingegangenen Verpflichtungen bewusst.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) verwies im Sender n-tv auf die von den US-Präsident George W. Bush bereits Ende Mai gegebene Zusage, 30 Milliarden Dollar in den kommenden fünf Jahren zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten in Afrika bereitzustellen. Den deutschen Anteil bezifferte Wieczorek-Zeul mit vier Milliarden Euro im Zeitraum bis 2015.
In der Abschlusserklärung der G-8 wurde ein verbindlicher Zeitplan für das Programm ebenso vermieden werden wie konkrete Finanzzusagen einzelner Länder. Auch der Auszahlungsmodus ist noch unklar. Um die Zusage der G-8 war hart gerungen worden. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sperrten sich Italien und Kanada lange gegen die zusätzliche finanzielle Verpflichtung. Der Durchbruch im Kreis der G-8 wurde demnach am Donnerstagabend erzielt und am Freitag mit den afrikanischen Gipfelteilnehmern abgestimmt. Von deutscher Seite wird angestrebt, das Geld in den bereits bestehenden "globalen Fonds" einzuzahlen, der Gesundheitsprojekte in 136 Ländern finanziert.
Die deutschen Zuwendungen entsprechen einer jährlichen Summe von 500 Millionen Euro - im Vergleich zu 300 Millionen Euro im Jahr 2006 und 400 Millionen Euro im laufenden Jahr. Ein Großteil der zusätzlichen Mittel soll laut der Ministerin besonders dem Schutz und der Behandlung von Frauen und Mädchen dienen. Fast zwei Drittel aller HIV-Positiven leben südlich der Sahara in Afrika. Dort ist die Ansteckungsgefahr für junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren dreimal so groß wie für Männer.
Die Afrikapolitik war ein Schwerpunkt des letzten Gipfeltages. Am Freitagmorgen nahmen deswegen neben Ghana auch die Staatschefs von Ägypten, Algerien, Nigeria, Senegal, Äthiopien und Südafrika an den Beratungen teil. Geladen wurden vor allem Gründungsmitglieder der sogenannten Nepad-Gruppe, die sich für einen eigenständigen Reformprozess in Afrika einsetzt. Südafrika gehört zugleich zur Gruppe fünf wichtiger Schwellenländer, mit deren Vertretern die G-8 im Anschluss zusammenkamen. Zu dieser Gruppe zählen auch China, Indien, Brasilien und Mexiko. Bush fehlte bei dem Treffen mit den Afrikanern, da er an einer leichten Magenverstimmung litt, nahm aber später wieder an den Beratungen teil.
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