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WHO warnt vor neuen Gefahren durch Tuberkulose - Sorge um Zunahme resistenter Bakterienstämme

Agence France-Presse - März 22, 2007


Bonn/Berlin, 22. März (AFP) - Aus Anlass des bevorstehenden Welt-Tuberkulose-Tages haben Experten vor neuen Gefahren durch die Infektionskrankheit gewarnt. Zwar verbreite sich die Erkrankung seit einigen Jahren langsamer, und die Zahl der Todesfälle gehe zurück, sagte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, am Donnerstag bei der Vorstellung eines Berichts zur Tuberkulose. Besorgnis erregend sei aber die zunehmende Resistenz der Erreger besonders in osteuropäischen Ländern. Die meisten Neuerkrankungen gab es demmach in Osteuropa und Zentralasien. In Afrika sind vor allem geschwächte Aids-Patienten von Tuberkulose bedroht. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte die WHO-Strategie im Kampf gegen die Krankheit.

Der WHO zufolge ist Tuberkulose nach Aids die zweitgefährlichste Infektionskrankheit auf der Welt. 2005 seien der Krankheit 1,6 Millionen Menschen zum Opfer gefallen, das seien täglich rund 4400 Menschen. Besonders in Afrika und Asien sei die Krankheit noch weit verbreitet. Von den weltweit 8,8 Millionen neu aufgetretenen Fällen im Jahr 2005 wurden 7,4 Millionen in diesen Kontinenten registriert. Von den 15 Staaten mit den meisten Tuberkulose-Erkrankungen liegen allein zwölf in Afrika. Die WHO begründete dies mit der hohen Zahl von HIV-positiven Patienten in diesen Ländern. Diese erkrankten wegen ihres geschwächten Immunsystems häufiger an Tuberkulose.

Die Hilforganisation Care bezeichnete die Lage in Afrika als Besorgnis erregend. Auf dem Kontinent wachse die Zahl der Erkrankungen um ein Prozent pro Jahr, sagte Care-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Jamann. Derzeit fehlten jedoch die Mittel, gegen die resistente Form XDR-TB neue Medikamente zu entwickeln. Vor allem für HIV-Infizierte sei Tuberkulose die "Todesursache Nummer eins". Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums könnte das Bruttoinlandsprodukt in einigen afrikanischen Ländern infolge der Doppelbedrohung durch Tuberkulose und Aids um mehr als 20 Prozent fallen.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte bei der Eröffnung eines Tuberkulose-Symposiums am Robert-Koch-Institut in Berlin, die vorrangige Herausforderung im Kampf gegen die ansteckende liege derzeit in Osteuropa. Die Entwicklung der Medikamentenresistenzen sei Besorgnis erregend. In Europa wurden laut WHO-Bericht im Jahr 2005 365.346 neue Tuberkulosefälle registriert, 6045 davon in Deutschland.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe warnte in einer Erklärung davor, die Krankheit in Deutschland als ausgerottet zu betrachten. Vor allem in Ballungsräumen stelle sie weiter eine Gesundheitsgefährdung dar, sagte Verbandschef Franz Wagner. "Wir wiegen uns in falscher Sicherheit." Laut Robert-Koch-Institut sind vor allem sozial Schwächere gefährdet.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, rief die internationale Gemeinschaft im "Tagesspiegel" zum gemeinsamen Handeln im Kampf gegen die Krankheit auf. Die Bundesregierung habe Anfang März ihr Budget für die weltweite Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose um ein Drittel auf 400 Millionen erhöht. Das sei "ein Schritt in die richtige Richtung".

Ärzte ohne Grenzen kritisierte hingegen die internationalen Maßnahmen im Kampf gegen die Krankheit. Die zunehmenden Fälle der "oft tödlich verlaufenden multi- und extremresistenten Tuberkulose" ließen sich mit gängigen Tests und Medikamenten nicht mehr bekämpfen. "Wir brauchen unbedingt neue Instrumente und zwar sofort", sagte Tido von Schön-Angerer von Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation forderte größere Anstrengungen zur Entwicklung neuer Diagnostika und Medikamente. Anstelle der jährlich benötigten 700 Millionen Euro würden derzeit weltweit nur rund 150 Millionen Euro in Forschung investiert.

+++ Der WHO-Bericht zur Tuberkulose im Internet: http://www.who.int/tb/publications/global_report/en/ +++

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