
Genf, 20. November (AFP) - Ein Weg aus der Armut in Afrika ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur mit einer Verbesserung der medizinischen Versorgung möglich. "Afrikanische Länder werden sich ohne Verbesserungen der Gesundheit ihrer Bewohner nicht wirtschaftlich und sozial entwickeln", heißt es in dem am Montag in Genf vorgestellten ersten Bericht der WHO zur Gesundheit in Afrika. Das Hauptproblem seien die schlecht funktionierenden Gesundheitssysteme in den Ländern südlich der Sahara. "Wir kennen die Herausforderungen. Aber wir müssen auch sehen, dass die schwachen Gesundheitssysteme Afrikas eine enorme Hürde für die breite Anwendung der in diesem Bericht aufgezeigten Lösungen darstellen", sagte der WHO-Regionaldirektor für Afrika, Luis Gomes Sambo.
Als besonders dramatisch bezeichnet die UN-Organisation die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit. Bei 100.000 Geburten in Afrika sterben dem Bericht zufolge 910 Mütter. Die UNO will im Rahmen ihrer Millenniumsziele bis 2015 erreichen, dass die Zahl auf knapp 230 zurückgeht. Mütter-, Neugeborenen- und Kindersterblichkeit seien die "stille Epidemie" Afrikas, schreibt die WHO. Viele der Todesfälle gingen auf Krankheiten zurück, die verhinderbar und behandelbar seien.
72 Prozent der Todesfälle in der WHO-Region Afrika, die aus dem Gebiet südlich der Sahara sowie Algerien besteht und 738 Millionen Menschen einschließt, stehen laut dem Bericht im Zusammenhang mit Geburten und ansteckenden Krankheiten. Bei Erwachsenen sei die Haupttodesursache Aids. Malaria sei in 42 der 46 von dem Bericht erfassten Staaten eine weit verbreitete Krankheit. 90 Prozent der weltweiten Todesfälle im Zusammenhang mit Malaria kommen demnach in dieser Region vor; eine Million Kinder unter fünf Jahren sterben in Afrika an Malaria. Nicht-ansteckende Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Afrika auf dem Vormarsch.
Nach Einschätzung der WHO gibt es in Afrika aber auch Verbesserungen im Gesundheitssektor, etwa bei der Geburtshilfe und im Kampf gegen HIV/Aids. So hätten sich im westafrikanischen Mali Gemeinden zusammengetan, um 35 Gesundheitszentren einzurichten, in denen ausgebildetes Personal Entbindungen einschließlich Kaiserschnitt-Operationen vornehmen könne. In Uganda würden Krankenschwestern für traditionelle ärztliche Aufgaben ausgebildet; kommunale Gesundheitsarbeiter verteilten lebenswichtige Aids-Medikamente. In Südafrika dringe ein Gesundheitszug mit jungen Ärzten und Medizinstudenten bis in abgelegene ländliche Gegenden vor und erreiche so 1,3 Millionen Menschen.
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