
Johannesburg, 22. November (AFP) - In einem Musterverfahren muss sich ein südafrikanischer Arzt am Donnerstag vor einer berufsständischen Kammer verantworten, weil er auf einem Totenschein Aids als Todesursache angegeben hat. Die Familie der Verstorbenen habe den Rat für Gesundheitsberufe angerufen, sagte der Leichenbeschauer Leon Wagner aus Bloemfontein der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Er habe die Leiche der 30-Jährigen im April 2005 in einem Beerdigungsinstitut untersucht und festgestellt, dass es sich um einen "typischen" Fall der Immunschwächekrankheit Aids handele. Ihren medizinischen Unterlagen zufolge habe die Frau Tuberkulose und eine Lungenentzündung gehabt und sei HIV-positiv gewesen.
Bei einer Voranhörung vor dem Gremium sei ihm gesagt worden, dass er sich nicht wegen rechtlicher Fragen verantworten müsse, sondern "wegen einer moralischen Frage, auf die die Regierung sehr sensibel reagiert", sagte Wagner weiter. Sollte dem Arzt das Recht zugesprochen werden, Aids als Todesursache auf einem Totenschein angeben zu dürfen, werde dies enorme Auswirkungen auf die offizielle Aids-Statistik haben, erklärte die Gewerkschaft Solidarity, die Wagner unterstützt. Rund 5,5 Millionen der 47 Millionen Südafrikaner tragen den HI-Virus in sich, das ist nach Indien die höchste Zahl weltweit.
Die südafrikanische Regierung steht wegen ihrer Haltung bei der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit in der Kritik. Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang, eine studierte Ärztin, empfiehlt eine Diät aus Roten Rüben, Knoblauch, Zitronen und Olivenöl zum Kampf gegen Aids. Traditionelle Heiler demonstrierten am Mittwoch für die Ministerin. Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Morgen im Zentrum von Johannesburg mit Plakaten gegen die größte Anti-Aids-Lobby-Gruppe Südafrikas, TAC. Die TAC fordert einen Rücktritt der Ministerin.
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