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EU: Immer mehr Produktfälschungen gefährden europäische Verbraucher - Wirkungslose Tabletten aus Steinstaub und Möbelpolitur

Agence France-Presse - Oktober 10, 2006


Brüssel, 10. Oktober (AFP) - Gefährliche Alkoholika, undichte Kondome und Shampoos, die für Haarausfall sorgen: Millionen gefälschte Medikamente, Kosmetika und Lebensmittel überfluten den europäischen Markt und gefährden die Verbraucher. Eine immer größere Welle gefährlicher Fälschungen bedrohe die Menschen in Europa, warnte EU-Kommissar Laszlo Kovacs am Freitag bei der Vorstellung der Zollstatistik 2005. So hätten Fälscher ein Herzmedikament mit einer Mischung aus Steinstaub und Straßenfarbe nachgemacht und mit Möbelpolitur auf Hochglanz gebracht. Die EU-Zollbehörden beschlagnahmten im vergangenen Jahr laut Statistik 75 Millionen gefälschte oder unerlaubt hergestellte Artikel, darunter erstmals mehr als fünf Millionen Lebensmittel und Getränke sowie rund 500.000 Arzneimittel.

Markenklau bei Medikamenten bleibt der EU zufolge die gefährlichste Spielart der Produktfälschung. Nachahmungen des Potenzmittels Viagra seien nach vor wie die beliebteste Fälschung, die Zollbeamten entdeckten aber auch gefälschte Krebsmedikamente und Antibiotika. Kovacs warnte vor nachgemachten Kondomen, Schwangerschafts- und HIV-Tests. Bei den Kosmetika waren schlecht riechende Kopien von Markenseife, nachgeahmte Zahncremes oder haarschädigende Haarpflegemittel zu finden. Auch gefälschte Genussmittel bedrohten die EU-Bürger zunehmend: Bei Alkoholika habe Produktpiraterie weltweit schon einige Todesfälle verursacht. Gefälschte Zigaretten enthalten der EU zufolge bis zu 75 Prozent mehr Teer und fast ein Drittel mehr Nikotin als Markenprodukte.

Als Hauptherkunftsregion für Produktfälschungen nannte Kovacs Südostasien. Mehr als 60 Prozent der 2005 beschlagnahmten Artikel stammten aus China. Auch die Bedeutung Indiens als Ursprungsland für Arzneimittel-Imitate wachse. Kovacs appellierte an die Verbraucher, dem Markenklau eine klare Absage zu erteilen: So lange eine Nachfrage bestehe, werde es auch ein Angebot geben. Es werde immer komplizierter, die Fälschungen aufzuspüren. Diese würden in immer kleineren Mengen und auf immer verzweigerten Routen verbreitet und zudem häufiger als früher über das Internet vertrieben. So seien 2005 zwar ein Fünftel mehr Fälle bearbeitet worden als im Vorjahr - nämlich 26.000 -, die Menge der beschlagnahmten Güter jedoch sei um ein Viertel zurückgegangen.

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