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UNICEF warnt vor drohender Aids-Katastrophe in Asien - Leiter der Aids-Programme spricht von "Zeitbombe"

Agence France-Presse - August 10, 2006


Berlin, 10. August (AFP) - Wenige Tage vor der Welt-Aids-Konferenz in Toronto hat UNICEF vor einer drohenden Aids-Katastrophe in Asien gewarnt. Nach Afrika habe sich Asien zu einem zweiten Epizentrum der tödlichen Krankheit entwickelt, erklärte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen anlässlich seiner Jahrespressekonferenz am Donnerstag in Berlin. Mehr als acht Millionen Asiaten hätten sich bereits mit dem HI-Virus infiziert. "Wir sitzen auf einer Zeitbombe", sagte der Leiter der UNICEF-Aids-Programme in Südasien, Ian MacLeod. Die UNICEF-Vorsitzende in Deutschland, Heide Simonis, forderte, Kinder und Jugendliche beim Kampf gegen Aids "weltweit in den Mittelpunkt" zu stellen.

Indien habe Südafrika als das Land mit den meisten HIV-positiven Menschen abgelöst, 5,7 Millionen seien bereits infiziert, erklärte UNICEF. Vor allem immer mehr junge Menschen steckten sich in Asien mit HIV an. Die Hälfte aller Neuinfektionen entfalle auf die Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren. Nur ein Bruchteil der Betroffenen werde medizinisch versorgt.

"Die Epidemie breitet sich bereits von den Risikogruppen auf die Gesamtbevölkerung aus", sagte MacLeod. "Die Länder Asiens haben nur noch wenig Zeit, um einen sprunghaften Anstieg der HIV-Infektionen zu verhindern." Zwar liege der relative Anteil der Infizierten noch vergleichsweise niedrig. Doch angesichts der hohen Bevölkerungszahl sage dies wenig aus über das Leid.

Simonis verwies auf erste Erfolge für Kinder: Die Preise für kinderverträgliche Viren hemmende Medikamente seien in den vergangenen Monaten deutlich gesunken und nun nicht mehr teurer als die Mittel für Erwachsene. "Jetzt kommt es darauf an, möglichst vielen Kindern Zugang zu Medikamenten zu verschaffen und ihre medizinische Behandlung langfristig zu sichern", sagte Simonis. Zurzeit erhielten weniger als zehn Prozent der Aids-kranken Kinder Virenhemmer. Die Folge sei: Jede Minute sterbe ein Kind an Aids. 2,3 Millionen Kinder unter 15 Jahren seien infiziert. 700.000 davon hätten sich allein im vergangenen Jahr angesteckt - so viele wie in Deutschland im selben Zeitraum geboren wurden.

Laut UNICEF haben sich bereits etwa 8,3 Millionen Menschen in Asien mit HIV angesteckt, zwei Drittel von ihnen leben in Indien. In Metropolen wie Bombay seien bereits rund sechzig Prozent aller Prostituierten infiziert. Prostitution ist in Indien weit verbreitet. Doch bislang wisse dort nicht einmal jeder Zweite, wie man sich gegen Aids schützen könne. Daher seien Aufklärungskampagnen dringend notwendig, ebenso der Zugang zu HIV-Tests und bessere Behandlungsmöglichkeiten - insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Kinder und Jugendliche sind UNICEF zufolge besonders betroffen: Mehr als 1,8 Millionen Kinder seien in Asien durch Aids bereits zu Waisen geworden. Bislang würden viele noch von der Großfamilie versorgt, doch immer mehr Mädchen und Jungen seien allein auf die Großeltern angewiesen. Rund 180.000 Kinder unter 15 Jahren seien selbst mit dem Virus infiziert. Weniger als 1000 Kinder in Asien erhielten Virenhemmer, fast 40.00 benötigen diese Mittel jedoch dringend.

Noch schlechter sei die Versorgung mit dem Antibiotikum Cotrimoxazol gegen Aids-Begleitinfektionen. 282.000 Kinder benötigten dieses sehr preiswerte Medikament, doch weniger als tausend erhielten es derzeit. Eine Behandlung mit Cotrimoxazol koste für jedes Kind nur maximal sechs Euro pro Jahr.

Die Welt-Aids-Konferenz mit dem Motto "Zeit zum Handeln" beginnt am 13. August im kanadischen Toronto. Bis zum 18. August beraten mehr als 20.000 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Regierungen, Forschungseinrichtungen, Wirtschaftsunternehmen sowie Repräsentanten der Vereinten Nationen über die Perspektiven im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids.

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