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Aids-Konferenz endet mit scharfer Kritik an G-8-Staaten - UN-Beauftragter nennt Südafrikas Umgang mit Aids "zögerlich"

Agence France-Presse - August 18, 2006


Toronto/Johannesburg, 18. August (AFP) - Mit scharfer Kritik an den G-8-Staaten ist am Freitag im kanadischen Toronto die 16. Internationale Aids-Konferenz zu Ende gegangen. Die G8 hätten ihre vor einem Jahr auf dem Gipfel im schottischen Gleneagles gemachten Versprechen nicht eingehalten und die Länder des Südens "verraten", sagte der UN-Beauftragte für Aids in Afrika, Stephen Lewis, unter dem Beifall mehrerer tausend Delegierter. Lewis kritisierte auch die Haltung der südafrikanischen Regierung gegenüber der Krankheit. Die Konferenzteilnehmer forderten die weltweite Verstärkung von Präventivmaßnahmen und warnten vor zunehmenden HIV-Infektionen bei Frauen.

Der Kampf gegen Aids sei durch die Haltung der G8 in Gefahr, sagte Lewis. "Niemand verlangt mehr als das Versprochene." Die sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland hatten im Juli 2005 unter anderem zugesagt, allen afrikanischen Aids-Kranken bis 2010 Zugang zu Aids-Medikamenten zu verschaffen und den internationalen Fonds für Aids, Malaria und Tuberkolose aufzufüllen. Doch laut Lewis fehlen dem Fonds noch 500 Millionen Dollar für dieses Jahr und mehr als eine Milliarde Dollar für 2007.

Insgesamt seien 2005 beachtliche 8,3 Milliarden Dollar für Aids-Programme ausgegeben worden, sagte Lewis. "Aber wir brauchen noch 15 Milliarden in diesem Jahr, 18 Milliarden im nächsten Jahr und 22 Milliarden für 2008. Und aller Voraussicht nach werden 2010 30 Milliarden Dollar benötigt." Regierungen, die ihre Präventions- und Behandlungsprogramme ausbauen wollten, würden von den hohen Fehlbeträgen "abgeschreckt".

Der UN-Beauftragte sagte, Südafrika sei unter den afrikanischen Ländern, die er in fünf Jahren besucht habe, das einzige Land, das "noch immer begriffstutzig, zögernd und nachlässig" mit der Behandlung von Aids umgehe. "Zwischen sechs- und achthundert Menschen sterben in Südafrika täglich an Aids", mahnte der Kanadier, der demnächst aus dem Amt scheidet.

Lewis kritisierte auch die Festnahme von 44 Aids-Aktivisten am Freitag in Kapstadt, die gegen die umstrittene Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang demonstriert hatten. Die Ministerin hatte unter anderem den Einsatz von Knoblauch, Olivenöl und Roter Beete als "alternatives Aids-Mittel" gepriesen. Ein Sprecher des südafrikanischen Gesundheitsminsteriums wies Lewis' Kritik an seiner Regierung als "inakzeptabel" zurück.

Der Interims-Vorsitzende der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Anders Nordström, sagte zum Abschluss der Konferenz, die Teilnehmer hätten "ein besseres Bewusstsein" dafür bekommen, dass der Kampf gegen Aids nicht ohne gleichzeitige Präventionsmaßnahmen gewonnen werden könne. Bessere Behandlungsmöglichkeiten allein würden das Problem nicht lösen.

In Afrika, dem am schwersten von der Krankheit betroffenen Kontinent, machen Frauen nach Angaben von Konferenzteilnehmern etwa 40 Prozent der Infizierten aus. Weltweit seien zwei Drittel der weiblichen HIV-Infizierten zwischen 15 und 24 Jahre alt. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) kündigte an, die Bundesregierung wolle ihre Aids-Mittel verstärkt auf junge Mädchen und Frauen konzentrieren.

Derzeit leben 40 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus, 95 Prozent von ihnen in armen Ländern. In Toronto hatten sich sechs Tage lang 21.000 Wissenschaftler, Mediziner, Gesundheitsexperten und Aktivisten mit Möglichkeiten im Kampf gegen Aids befasst.

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