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Bill Gates stellt sich an vorderste Front im Kampf gegen Aids - Größte Fachkonferenz seit Beginn der Epidemie tagt in Toronto

Agence France-Presse - August 14, 2006


Toronto, 14. August (AFP) - Zur Eröffnung der größten Aids-Konferenz aller Zeiten hat sich der Milliardär Bill Gates an vorderster Front in den Kampf gegen die Epidemie eingeschaltet. Aids habe für seine Stiftung höchste Priorität, sagte der Microsoft-Gründer bei einem gemeinsamen Auftritt mit seiner Frau Melinda am Sonntag in Toronto. Der Schlüssel im Kampf gegen HIV liege bei den Frauen, die geeignete Mittel zu ihrem Schutz erhalten müssten, betonte Gates vor den rund 20.000 Konferenzteilnehmern. Der Tagungsauftakt war reich an emotionalen Momenten: Zu Tränen rührte die Delegierten etwa der Auftritt einer 24-jährigen HIV-positiven Indonesierin. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) rief dazu auf, alle Kraft auf den Kampf von Aids zu konzentrieren.

Im Kampf gegen Aids legte Gates große Hoffnung in die Entwicklung von Mikrobiziden in Form von Vaginalgels sowie oraler Medikamente. "Wir brauchen Instrumente, die Frauen ermöglichen, sich zu schützen", betonte der mit großem Beifall empfangene reichste Mann der Welt. "Egal wo sie lebt oder was sie tut - eine Frau sollte niemals die Erlaubnis ihres Partners brauchen, ihr Leben zu retten." Forscher hoffen, dass bis 2009 die ersten wirksamen Schutzgels entwickelt sind. Gates hatte erst vor wenigen Tagen weitere 500 Millionen Dollar für den Kampf gegen Krankheiten wie Aids und Malaria zugesagt. Bisher starben an Aids rund 25 Millionen Menschen. Ende 2005 lebten nach UN-Angaben 38,6 Millionen Menschen mit dem Virus.

Auch der Auftritt von etwa 300 Großmüttern aus Kanada und Afrika, die für Aids-Waisen sorgen, rührte viele Konferenzteilnehmer. Die unter anderem aus Kenia, Mosambik, Südafrika und Sambia angereisten Großmütter baten um Unterstützung bei der Versorgung der insgesamt 13 Millionen Aids-Waisen auf dem schwarzen Kontinent.

Laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF steigt die Zahl der Kinder in Afrika, die durch Aids ihre Eltern verlieren, kontinuierlich. Bis 2010 würden voraussichtlich mehr als 15 Millionen Kinder zu Waisen, erklärte die Organisation. Sie forderte unter anderem die Entwicklung von Medikamenten und Tests für Kinder und eine Senkung der Medikamentenpreise.

"Diese Pandemie ist die bedrohendste für diese Welt", sagte Wieczorek-Zeul (SPD) dem Inforadio vom rbb. "Das ist ein Dauerkonflikt, ein Dauerangriff auf die Menschen und auch auf die Menschlichkeit. Und deshalb müssen wir uns genau darum immer wieder kümmern und immer wieder aufrütteln", fügte die Ministerin hinzu, die an der 16. Aids-Konferenz teilnimmt. Sie hatte am Sonntag angekündigt, die Mittel im Kampf gegen Aids ab 2008 jährlich um rund 100 Millionen Euro auf 400 Millionen zu erhöhen.

Kritik wurde bei der Veranstaltung an der Aids-Politik von US-Präsident George W. Bush laut. Dieser habe zwar für seinen Fünfjahresplan gegen Aids 15 Millionen Dollar freigemacht, verbinde dies aber mit der Forderung nach sexueller Abstinenz, bemängelten Aktivisten. Der so genannte A-B-C-Plan von Bush setzt zuerst auf Abstinenz (A) vor der Ehe, dann Treue zu einem Partner (Being Faithful; B) und erst zuletzt auf Schutz durch Kondome (Condoms; C). Buhrufe ertönten zudem, als einer der Organisatoren die Abwesenheit des kanadischen Premierministers Stephen Harper kritisierte.

Bei der sechstägigen Tagung in Kanada wollen Ärzte, Wissenschaftler, Politiker und Aktivisten von Aids-Hilfsorganisation ihre Erfahrungen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit austauschen. Zu den prominenten Teilnehmern zählen Ex-US-Präsident Bill Clinton und Hollywood-Star Richard Gere.

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