Berlin, 30. November (AFP) - Organisationen und Politiker haben anlässlich des Welt-Aids-Tages am Donnerstag mehr Programme zur Vorbeugung und Aufklärung über die Immunschwächekrankheit gefordert. "Der einzig wirksame Impfstoff gegen Aids ist nach wie vor Aufklärung", erklärte Dietrich Garlichs vom Kinderhilfswerk Unicef am Mittwoch. Grünen-Chefin Claudia Roth und das globalisierungskritische Netzwerk Attac forderten erleichterte Arznei-Importe für Entwicklungsländer. Menschenrechte seien wichtiger als geistige Eigentumsrechte der Pharmabranche. Papst Benedikt XVI. erklärte sein Mitgefühl mit den Erkrankten und ihren Familien. Der Welt-Aidstag steht in diesem Jahr unter dem Motto: "Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung - für uns selbst und andere".
Weltweit leben den Vereinten Nationen zufolge 40,3 Millionen Menschen mit HIV/Aids, darunter sind 2,3 Millionen Kinder im Alter unter 15 Jahren. Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kommen inzwischen jedes Jahr über fünf Millionen Neuinfizierte hinzu. Damit infiziert sich alle sechs Sekunden ein weiterer Mensch.
Laut Attac hat die für Fragen des geistiges Eigentums zuständige Welthandelsorganisation WTO am Dienstag einen Antrag afrikanischer Länder auf den leichteren Import preiswerter Aids-Medikamente abgelehnt, auch mit den Stimmen der EU. "Trotz aller schönen Worte zum Kampf gegen Aids sind für EU und WTO die Patentrechte offenbar wichtiger als Menschenleben", kritisierte Oliver Moldenhauer von Attac. Auch Grünen-Chefin Roth forderte, die Produktion und den Vertrieb von Medikamenten-Nachahmern in Entwicklungsländer zu ermöglichen.
Nach Ansicht des Kinderhilfswerks "terre des hommes" verbreitet sich Aids weltweit besonders dort stark, wo Menschen in Armut leben. Aufklärung müsse daher Hand in Hand mit Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation gehen. Dies betreffe besonders Frauen, deren schwacher wirtschaftlicher und sozialer Status sie zusätzlich verwundbar mache.
Laut Unicef infizieren sich in Entwicklungsländern immer mehr Kinder an Aids. Ihre Zahl sei in diesem Jahr um 700.000 gestiegen. Rund 90 Prozent davon haben sich während der Schwangerschaft oder Geburt angesteckt. Doch im südlichen Afrika wisse etwa die Hälfte der jungen Frauen zwischen 15 und 24 Jahren nicht, wie HIV übertragen werde. Aber auch in Deutschland sei Aufklärung unter Jugendlichen nötig, betonte das Kinderhilfswerk. So wisse jeder Fünfte der 16- bis 20-Jährigen nicht, dass man sich auch dann an dem HI-Virus anstecken kann, wenn bei dem infizierten Partner die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist.
In Deutschland betrachtet die große Mehrheit der Bürger Aids weiter als eine Gefahr für die Gesundheit. In einer Umfrage für das Hamburger Magazin "Stern" erklärten dies 90 Prozent der Befragten. Nur neun Prozent waren der Ansicht, Aids sei keine Gefahr mehr, keine Meinung hatte ein Prozent. Der "Stern" ließ im Vorfeld des Welt-Aids-Tages 1001 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger befragen.
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