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Für die Gesellschaft so gut wie tot - HIV-Positive geraten in Birma rasch in eine Außenseiterposition - Militärjunta erschwert die Arbeit der Hilfsorganisationen

Agence France-Presse - November 30, 2005
Hla Hla Htay

Rangun, 30. November (AFP) - Als Kyaw Kyaw vor fünf Jahren erfuhr, dass er HIV-positiv ist, beschlich ihn rasch das Gefühl, er sei für die Gesellschaft schon so gut wie tot. Der frühere Seemann aus dem südostasiatischen Birma, einem der abgeschottesten Länder der Welt, verlor umgehend seine Arbeit. In seiner Verzweiflung suchte er Rat bei diversen Ärzten. Doch von den meisten Vertretern dieser Zunft fühlte er sich diskriminiert. "Sie isolierten mich von anderen, sogar von meiner Familie, weil sie meinten, ich würde sie sonst anstecken", sagt Kyaw Kyaw. Diesen Namen hat er sich zugelegt, den wahren Namen will er nicht sagen - aus Angst vor weiteren Diskriminierungen und Strafmaßnahmen des Militärregimes.

"Das einzige, was mir die Ärzte gegeben haben, war der Schmerz in meinem Herzen", bemerkt Kyaw Kyaw voller Bitterkeit. Er ist gerade einmal 33 Jahre alt. Dass er selber Fehler gemacht hat, räumt er ein. Einst spritzte er sich Drogen, durch eine verunreinigte Injektionsnadel könnte er sich das Aids verursachende Virus eingefangen haben. Nach Angaben des UN-Sonderprogramms zur Aids-Bekämpfung (UNAIDS) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Birma eines der asiatischen Länder, das am stärksten von Aids betroffen ist. Hauptursache dafür sind die "geringen Bemühungen bei der Vorbeugung". Nach den amtlichen Schätzungen gab es 2004 insgesamt 338.00 Birmaner, die an der Immunschwäche erkrankt waren. Die UNO geht von 620.000 Betroffenen aus.

Kyaw Kyaw hatte schließlich Glück: Er wird von einer Nicht-Regierungsorganisation unterstützt. Das hat seinen Umgang mit der HIV-Infektion grundlegend verändert. Über die Organisation, deren Namen er ebenfalls vorsichtshalber nicht nennen will, machte er die Bekanntschaft dreier Männer, die sein Schicksal teilen. Auch sie büßten nach der Mitteilung über die Infektion ihre Arbeit oder ihren Studienplatz ein. Zusammen unterstützen sie nun andere Infizierte und informieren über Vorbeugemaßnahmen.

Einer der anderen ist Aung Aung. Ihm wurde das Stipendium gestrichen, als bekannt wurde, dass er sich mit dem Virus infiziert hatte. In seiner Familie kann Aung Aung keine Unterstützung finden. "Ich wage es nicht, mit meiner Familie darüber zu sprechen", sagt er. "Jedesmal, wenn sie mich anrufen, habe ich Angst." Doch nicht nur sein eigenes Schicksal beschäftigt ihn, er macht sich auch um die birmanische Jugend Sorgen. "Ich bezweifle, dass sie auch nur die geringsten Informationen über Aids haben", sagt Aung Augn. "Die Filme, die man hier auf den Bürgersteigen kaufen kann, ermuntern doch dazu, zu Prostituierten zu gehen", fällt der 27-jährige Ko Nge ein. "Aber man sagt uns nie, dass man Kondome benutzen sollte."

Nach den Erkenntnissen von UNAIDS infizieren sich in Birma zwei Drittel der Betroffenen beim Geschlechtsverkehr. Rund 50 lokale und internationale Organisationen sind am Kampf zur Eindämmung der Aids-Krankheit beteiligt. Viele klagen über die schwierigen Arbeitsbedingungen. Global Fund, eine der größten Organisationen, gab im August bekannt, dass sie sich aus Birma zurückziehen wolle. Die Maßnahmen der Militärjunta machten die Arbeit so gut wie unmöglich. Chit, ein ehemaliger Angestellter, macht sich nun Sorgen. Seit sechs Monaten lang erhielt der 49-Jährige von Global Fund seine Medikamente. Sollte die Organisation ihre Ankündigung wahrmachen, fürchtet Chit um sein Leben: "In Birma sind schon zahlreiche Menschen an Aids gestorben, weil sie auf Medikamente gewartet haben, die nie eintrafen."

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