San Francisco, 29. November (AFP) - Düstere Prognosen und erschütternde Bilanzen umrahmen den Welt-Aids-Tag am Donnerstag, doch aus der einst am schwersten betroffenen Stadt San Francisco kommt Hoffnung. Die Metropole an der Westküste der USA ist derzeit die einzige im ganzen Land, in der die Fälle von neuen Infektionen rückläufig sind. Halb so viele Ansteckungen wie im Jahr 2004 werde es in diesem Jahr geben, schätzt Jason Riggs von der Organisation "Stop Aids Project".
"San Francisco und ganz Kalifornien hatten einst die meisten Opfer dieser Epidemie, es ist gut, dass wir jetzt gute Ergebnisse beim Rückgang von Aids haben", sagt Steven Tierney, Chef des Aids-Verhütungs-Programms der Stadt. Innerhalb der homosexuellen Bevölkerung von San Francisco war jahrelang jeder Dritte mit dem HIV-Virus infiziert, jetzt ist diese Zahl erstmals auf einen von vier gesunken. "Wir sind die einzige Stadt in den USA, in der die Zahl zurückgeht", sagt Riggs. Weiteres Indiz für den Erfolg der Verhütungskampagnen ist auch der Rückgang um 27 Prozent bei neuen Fällen von Syphilis, einer Krankheit, die ebenfalls durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird.
Wesentlicher Erfolgsfaktor in der Aids-Bekämpfung ist nach Einschätzung der Experten der verminderte Konsum einer Droge namens Methamphetamin. Dieses Mittel hat enthemmende und damit Lust steigernde Wirkungen und wird von vielen Homosexuellen regelmäßig eingenommen. Statistiken zeigen, dass Homosexuelle, die diese Droge benutzen, ein vier Mal höheres Risiko einer HIV-Infektion tragen als andere. Der Grund liegt in den lösenden Eigenschaften des Mittels: "Stellen Sie sich vor, sie konnten ihr Leben lang keine sexuellen Beziehungen haben, ohne sich schuldig und schändlich zu fühlen, und dann gibt es auf einmal einen Zaubertrank, der ihnen das Gefühl gibt, absolut frei zu sein", erläutert Riggs.
Die Gefahr durch Metamphetamin liegt nicht allein darin, dass es durch seine enthemmende Wirkung ungeschützten Sex fördert; es ist auch hochgradig zerstörerisch. "Dieser Zaubertrank macht abhängig und er vernichtet die Lustzentren im Gehirn", erläutert Riggs. Seit 40 Jahren wird das Mittel von unzähligen Homosexuellen benutzt, doch dank einer städtisch mitfinanzierten Kampagne scheint der Konsum der Droge rückläufig: "Wir sind noch nicht außer Gefahr, aber die Tendenz ist positiv", sagt der Anti-Aids-Aktivist. Einst die US-Stadt mit dem größten Metamphetamin-Verbrauch sei San Francisco jetzt auf dem Niveau von Chicago oder Los Angeles angelangt.
"Das Zusammenwirken von Prävention und Behandlung der Krankheit hat sich als richtige Strategie entpuppt", sagt der Arzt Eric Goosby. Die Kampagne für sicheren Sex sei "allerdings noch lange nicht gewonnen".
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