Neu Delhi, 21. November (AFP) - Trotz einiger Erfolge in Afrika ist die Zahl der HIV-Infizierten in diesem Jahr erstmals über die Grenze von 40 Millionen weltweit gestiegen. Nach einer am Montag in Neu Delhi veröffentlichten UN-Studie infizierten sich 2005 fünf Millionen Menschen neu mit dem Virus. 3,1 Millionen Menschen starben an Aids, darunter mehr als eine halbe Million Kinder. Die Zahl der HIV-Infektionen stieg in allen Regionen der Welt außer der Karibik. Besonders Besorgnis erregend sei die Situation in Osteuropa, Zentral- und Ostasien sowie im südlichen Afrika. UNAIDS-Chef Peter Piot forderte eine weitere Erhöhung der Mittel im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit.
Auch in Westeuropa und den USA ist HIV der Studie zufolge weiter auf dem Vormarsch. Insbesondere junge Schwarze in den USA und Frauen in Europa seien betroffen. In den USA stieg die Zahl der Infektionen auf mehr als eine Million, in Westeuropa auf mehr als eine halbe Million. Hauptgrund sei ungeschützter Geschlechtsverkehr.
Fast zwei Drittel der weltweiten Neu-Infektionen registrierten die UNO in Afrika südlich der Sahara. Dort sind 25,8 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Einen Hoffnungsschimmer gibt es der Studie zufolge in Simbabwe, Uganda und Kenia, wo sich erstmals weniger Menschen infizierten. UNAIDS-Chef Piot führte diese kleinen Erfolge auf gezielte und koordinierte Eingriffe zurück. "Wir sind ermutigt von diesen Erfolgen und davon, dass HIV-Präventionsprogramme eine Schlüsselrolle dabei gespielt haben." Dennoch übertreffe die Ausbreitung der Aids-Epidemie weiter alle globalen und nationalen Anstrengungen. "Es ist eindeutig, dass ein schneller Ausbau der HIV-Vorbeugungsprogramme dringend geboten ist", sagte Piot.
WHO-Generalsekretär Lee Jong-Wook forderte einen weltweiten Zugang zu verbilligten antiretroviralen Medikamenten. In Lateinamerika habe der vereinfachte Zugang zu diesen Medikamenten bis zu 350.000 Todesfälle verhindert. In Argentinien, Brasilien, Chile und Kuba haben mehr als 80 Prozent der Infizierten Zugang zu den preiswerteren Medikamenten.
Drogen, kommerzieller Sex und eine ungenügende Betreuung besonders gefährdeter Menschen ließen die Zahl der Infizierten in Lateinamerika, Osteuropa und Asien anwachsen. Im Afrika südlich der Sahara gilt die Übertragung von Müttern auf Kinder weiter als wichtiger Grund für neue Erkrankungen. Dem UN-Bericht zufolge kommen 35 Prozent der Neugeborenen von infizierten Müttern mit dem Virus auf die Welt.
Das Wissen über HIV und geschützten Geschlechtsverkehr sei in vielen Ländern weiterhin gering. Die Studie nannte explizit Kamerun, Nigeria, Senegal und Uganda. Die Angst vor Diskriminierung führe zudem dazu, dass viele Infizierten die Erkrankung verschwiegen. Dies schaffe ein "ideales Klima" für die weitere Verbreitung der Krankheit, hieß es in der Studie.
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