Tripolis, 31. Mai (AFP) - Libyens Oberster Gerichtshof hat seine Entscheidung über die Zulässigkeit der Todesurteile gegen fünf bulgarische Kreankenschwestern und einen palästinensischen Arzt im Zusammenhang mit einem Aids-Skandal um eine halbes Jahr vertagt. Er werde erst am 15. November darüber urteilen, ob die Berufung der Angeklagten gegen die Todesurteile zulässig sei, sagte der Vorsitzende Richter Ali el Allusch am Dienstag in Tripolis. Die EU-Kommission begrüßte die Vertagung, der bulgarische Präsident Georgi Parwanow sprach von einer "ermutigenden Nachricht". Die sechs Angeklagten waren im Mai 2004 schuldig gesprochen worden, Kinder in einem libyschen Krankenhaus bei Bluttransfusionen mit dem HI-Virus angesteckt zu haben. 47 Kinder starben, 380 weitere wurden infiziert.
Aussagen ausländischer Aids-Experten, wonach die Infektionen durch mangelhafte Hygienestandards in dem Kinderkrankenhaus verursacht worden seien, hatte die erste Gerichtsinstanz nicht gelten lassen. Die Angeklagten waren zum Tod durch Erschießen verurteilt worden.
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner erklärte, mit seiner Entscheidung bestätige das Oberste Gericht, dass das Urteil aus der ersten Instanz überprüft werden müsse und die Todesstrafe nicht bestätigt werden könne. Der bulgarische Präsident Parwanow äußerte die Hoffnung, dass nun die Wahrheit über die "Tragödie" im Kinderkrankenhaus der Küstenstadt Bengasi ans Licht kommen werde und die in seinen Augen zweifelsfrei unschuldigen Krankenschwestern bald in ihre Heimat zurückkehren könnten. Ferrero-Waldner und Parwanow hatten sich in den vergangenen Tagen in Libyen für die Freilassung der sechs Inhaftierten eingesetzt.
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