Tripolis, 29. März (AFP) - Im Berufungsverfahren gegen fünf bulgarische Krankenschwestern, die Kinder mit Aids infiziert haben sollen, will der Oberste Gerichtshof in Libyen Ende Mai ein Urteil fällen. Der Vorsitzende Richter Ali el Alluss kündigte am Dienstag an, am 31. Mai werde das Gericht entweder der Berufung stattgeben oder das Todesurteil bestätigen. Der Prozess wurde in Anwesenheit mehrerer europäischer Diplomaten in Tripolis eröffnet. Das Todesurteil liegt bereits elf Monate zurück. Ein Verteidiger äußerte sich kurz vor Beginn der Sitzung "optimistisch". Vor dem Gerichtsgebäude forderten Angehörige von infizierten Kindern den Tod der insgesamt sechs Angeklagten.
Die fünf bulgarischen Krankenschwestern und ein palästinensischer Arzt waren im Mai vergangenen Jahres für schuldig befunden worden, Kindern in einem Kinderkrankenhaus der Küstenstadt Bengasi bei einer Transfusion HIV-verseuchtes Blut verabreicht zu haben. 47 Kinder starben, 380 weitere wurden infiziert.
Die Aussagen eines französischen Aids-Experten und von Kollegen aus Italien und der Schweiz, wonach die Infektionen durch die mangelhaften Hygienestandards in der Klinik verursacht wurden, wurden im ersten Gerichtsverfahren nicht berücksichtigt. Die Angeklagten wurden zum Tod durch Erschießen verurteilt.
Angehörige der Opfer demonstrierten vor dem Gericht mit Plakaten, auf denen Sprüche wie "Tod den Kindermördern" zu lesen waren. Der Chef der Interessenvertretung "Vereinigung der Familien von Aids-Opfern", Ramadan el Futuri, bekräftigte die Forderungen eines Todesurteils für die Angeklagten.
Das Urteil sorgte international für große Empörung. In der bulgarischen Presse hieß es, die Verurteilten sollten als "Sündenböcke" herhalten, um in Libyen den wachsenden Unmut über die Aids-Epidemie einzudämmen. Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi wehrte sich noch in der vergangenen Woche beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga gegen die Vorwürfe aus dem Westen. Am Donnerstag lud er aber den bulgarischen Präsidenten Georgy Parvanov zu einem Besuch ein.
Gaddafi hatte Bulgarien die Freilassung der sechs Verurteilten gegen eine Art Lösegeld angeboten, das die gleiche Höhe haben sollte wie die Zahlungen Libyens an die Hinterbliebenen des Lockerbie-Anschlags von 1988. Die Regierung in Sofia lehnte dies ab. In den vergangenen Jahren bemühte sich Gaddafi, nach jahrzehntelanger Ächtung in die Weltgemeinschaft zurückzukehren. Die Entschädigungszahlungen waren Teil dieser Kampagne. Tripolis hatte 2003 die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag übernommen, bei dem 1988 270 Menschen starben.
050329
AF050367_DE
© Agence France-Presse 2005. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung, insbesondere die Speicherung in Datenbanken, Veröffentlichung, Vervielfältigung und jede Form von gewerblicher Nutzung sowie die Weitergabe an Dritte - auch in Teilen oder in überarbeiteter Form - ohne Zustimmung von AFP Agence France-Presse sind untersagt. http://www.afp.com/
AEGiS is a 501(c)3, not-for-profit, tax-exempt, educational corporation. AEGiS is made possible through unrestricted grants from Boehringer Ingelheim, Elton John AIDS Foundation, the National Library of Medicine, Bridgestone Firestone Trust Fund, and donations from users like you. Always watch for outdated information. This article first appeared in 2005. This material is designed to support, not replace, the relationship that exists between you and your doctor.
©1990, 2005 - AEGiS. AEGiS presents published material, reprinted with permission and neither endorses nor opposes any material. All materials appearing on AEGiS are protected by copyright as a collective work or compilation under U.S. copyright and other laws and are the property of AEGiS, or the party credited as the provider of the content.