Genf, 4. März (AFP) - In den kommenden 20 Jahren drohen sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen knapp 90 Millionen weitere Menschen mit dem HI-Virus anzustecken, wenn die afrikanischen Staaten nicht mehr gegen Aids unternehmen und die internationale Gemeinschaft ihre Hilfe nicht aufstockt. Umgekehrt ließen sich Millionen von Neuansteckungen vermeiden, wenn Afrika und die übrige Welt die Krankheit als "außergewöhnliche Krise" begriffen, die ganze Gesellschaften und Volkswirtschaften zerstören könne, sagte der Leiter des UN-Hilfsprogrammes UNAIDS, Peter Piot, am Freitag bei einer Pressekonferenz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.
In dem Bericht "Aids in Afrika: Drei Szenarien bis 2025", den Piot vorstellte, zeichnete die UN-Organisation drei Möglichkeiten vor, wie die Immunschwächekrankheit sich in den kommenden zwei Jahrzehnten entwickeln könnte. Im schon besagten schlimmsten Fall könnten sich demnach 89 Millionen Afrikaner neu mit Aids infizieren. Das zweite Szenario geht davon aus, dass die afrikanischen Staaten eine "wirksame" Politik gegen die Ausbreitung des HI-Virus betreiben, während sich die Auslandshilfe nicht erhöht. In diesem Fall könnten immerhin noch 24 Millionen Menschen einer Ansteckung entgehen.
Am zuversichtlichsten ist das dritte aufgezeigte Szenario: 43 Millionen Neuansteckungen seien zu vermeiden, wenn das Ausland seine Hilfen "beträchtlich" erhöhe und auch die afrikanischen Regierungen das Problem angemessen behandelten, hieß es in dem Bericht. Äthiopiens Präsident Girma Woldegiorgis sagte bei der Pressekonferenz, es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um "eine dauerhafte Veränderung" herbeizuführen. Seit dem massenhaften Ausbruch der Immunschwächekrankheit Anfang der 80-er Jahre und bis zum Jahr 2025 werden laut UNO zwischen 67 und 83 Millionen Afrikaner daran gestorben sein.
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