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Leidenschaft für das Gummi-Armband - Unter US-Teenagern sind die Zierden fürs Handgelenk der Hit - Wohltätiger oder politischer Zweck rückt in den Hintergrund

Agence France-Presse - Januar 14, 2005
Pascal Barollier

Rockville, 14. Januar (AFP) - An den Schulen der USA sind sie inzwischen überall zu sehen: Die farbigen Bändchen für das Handgelenk, aus deren Verkauf wohltätige oder politische Zwecke wie der Kampf gegen Aids oder Hilfen für die US-Truppen im Irak finanziert werden, sind unter Teenagern zum regelrechten Kultobjekt geworden. Den meisten geht es beim Kauf der Gummibändchen offenbar gar nicht um die Spende, sondern um den modischen Schick - ob das Geld beispielsweise für die Krebsforschung oder zur Unterstützung Israels verwendet wird, ist allenfalls Nebensache.

Viel wichtiger ist die Farbe. Am besten gingen die "schwer zu findenden Farben" weg, weiß Philipp, der mit den Bändchen an seiner Schule in einem Vorort von Washington sein Taschengeld aufbessert. Rasch rollt der Zehntklässler den Ärmel seines Sweatshirts hoch, um sein Sortiment zu zeigen: gelb, pink, hellblau, grün und mehr. "Ich kaufe einen Haufen davon im Internet und verkaufe sie an Freunde weiter", verrät Philipp, der seinen Nachnamen lieber nicht nennen will.

Einer der Schöpfer der neuen Mode ist der US-Radsportler Lance Armstrong, der auch bei der Tour de France sein gelbes Bändchen mit der Aufschrift "LiveStrong" (Lebe stark) trug. Armstrong, der früher an Hodenkrebs litt, bringt das Bändchen mit dem Sporthersteller Nike heraus, in Deutschland kostet es einen Euro. Der Erlös geht an eine von Armstrong gegründete Stiftung, die Krebskranke unterstützt. Das gelbe Armstrong-Bändchen wurde im US-Wahlkampf auch am Handgelenk des Demokraten John Kerry gesichtet. Selbst Präsident George W. Bush soll eins besitzen - ebenso wie der Rocksänger Bono oder die Hollywoodstars Bruce Willis, Robin Williams und Matt Damon.

Mehrere landesweite Ketten haben die verschiedenen Bändchen in ihr Angebot aufgenommen. Das Kaufhaus "Target" etwa verkaufte im Oktober 10.000 rosafarbene Bändchen und brachte damit nach eigenen Angaben 600.000 Dollar für die Krebsforschung auf. Bei den elfjährigen Zwillingen Alana und Julia Model, die in dem Geschäft "On Cloud 9" in Rockville im US-Bundesstaat Maryland die neu eingetroffenen Farben ihres Lieblingsartikels begutachten, hat die Sammelleidenschaft aber einen ganz simplen Grund: "Fast jeder sammelt sie in der Schule und überall sonst", sagt Alana. Die Schwestern haben erst vor zwei Monaten mit dem Sammeln der Bändchen angefangen, inzwischen "hat jeder von uns etwa sechs davon", berichten sie.

Bei "On Cloud 9" sind die Bändchen der große Renner. Vor telefonischen Anfragen nach den Gummiartikeln könne sie sich kaum retten, berichtet die Verkäuferin Kate Mundy - allein an diesem Nachmittag gab es 20. Frisch eingetroffen ist gerade die hellgrüne Variante - der Erlös ist für den Kampf gegen Lähmungen bestimmt. Auf anderen Bändchen in den Nationalfarben Rot-Weiß-Blau steht nur "USA" - das Geld geht an die Truppen im Irak und in Afghanistan.

Manchmal bleiben die Erlöse aber auch im näheren Umfeld. "Schule ist cool" steht beispielsweise auf einem dunkelblauen Bändchen, das an einer Grundschule in Potomac in Maryland angeboten wurde. Aus dem Gewinn soll den Fünftklässlern eine Feier zum Abschluss des Schuljahres bezahlt werden. Der Vorrat von 700 Bändchen war in wenigen Stunden weg - obwohl es nur 477 Schüler gibt.

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