Brüssel, 30. November (AFP) - Der diesjährige Welt-Aids-Tag am Mittwoch steht unter dem Motto "Frauen, Mädchen, HIV und Aids". Dahinter stehen alarmierende Zahlen: Die HIV-Infektionen bei Frauen haben einen neuen Höchststand erreicht, wie die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich erklärten. Von weltweit 39,4 Millionen HIV-Infizierten sind inzwischen fast die Hälfte Frauen. Im südlichen Afrika als Haupt-Krisenregion ist sogar eine Mehrheit der Infizierten (57 Prozent) weiblich. Doch auch in Deutschland ist immerhin jeder fünfte mit dem Immunschwächevirus infizierte Mensch eine Frau.
Mädchen und junge Frauen sind einem besonders hohen Aids-Risiko ausgesetzt. In Afrika südlich der Sahara sind drei Viertel aller mit dem HI-Virus lebenden jungen Leute zwischen 15 und 24 Jahren weiblich. Sie haben ein dreimal höheres Infektionsrisiko als junge Männer. Oft infizieren sie sich direkt beim ersten Geschlechtsverkehr. Viele junge Mütter geben das HI-Virus dann an ihre Kinder weiter.
Die Gründe für die hohe Zahl der Infektionen bei Frauen sind vielfältig. Nicht nur Prostitution oder die Ansteckung über Drogen-Spritzbesteck spielen eine Rolle. Frauen sind auch biologisch anfälliger für den HI-Virus. Die Gefahr für eine Frau, sich beim Geschlechtsverkehr zu infizieren, ist doppelt so hoch wie die für einen Mann. Das liegt an der Übertragung durch männliches Sperma, aber auch der größeren Verletzlichkeit des weiblichen Körpers, so dass auch eine Übertragung über das Blut möglich ist.
Aber auch gesellschaftliche Bedingungen erhöhen das Risiko für Frauen: Ungeschützter Sex ist gerade für junge Frauen in den Entwicklungsländern häufig das einzige Mittel, um sich Nahrungsmittel, Kleidung oder Geld zu "erkaufen". Zudem fehlt vielen jungen Frauen in armen Regionen jedes Basiswissen über Verhütungsmethoden.
Um das Risiko für Frauen einzudämmen, setzen die Weltgesundheitsorganisation und die UNO auf den Einsatz so genannter Mikrobiozide. Die Vaginalgels verhindern die Anlagerung des HI-Virus im Körper. Zudem stoppen sie sexuell übertragbare Infektionen wie den Genitalherpes, die das Risiko einer HIV-Infizierung enorm erhöhen. Forscher glauben, damit könnten zwei Millionen Leben in Afrika gerettet werden. Die Frage bleibt allerdings, wie die Gels zu den Frauen kommen sollen.
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