Berlin, 4. Oktober (AFP) - Die Zahl der Syphilis-Fälle ist in Deutschland erneut deutlich angestiegen. Im Jahr 2003 wurden insgesamt 2932 Neuinfektionen und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr gemeldet, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem am Montag im Internet veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin berichtete. Die Fälle konzentrieren sich demnach weitgehend auf die Großstädte. Besonders betroffen sind Berlin und Hamburg, wo auf 100.000 Einwohner 18 beziehungsweise zwölf Syphilis-Kranke kommen. Einen überproportionalen Zuwachs gegenüber 2002 gab es laut RKI auch in Bremen, Niedersachsen und Brandenburg. Die Entwicklungen in einzelnen Bundesländern und Regionen können "wahrscheinlich nicht mehr als kurzfristiges und vorübergehendes Ausbruchsgeschehen interpretiert werden", heißt es in dem Bericht.
Drei Viertel aller in Deutschland gemeldeten Fälle der Geschlechtskrankheit betreffen demnach homosexuelle Männer. Der Anteil der erkrankten Frauen sankt im vergangenen Jahr auf unter zehn Prozent. Auch der Anteil der wiederholten Infektionen bei Syphilis-Patienten mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten stieg deutlich an. In Großstädten wie Berlin, Hamburg und München ist bereits jeder dritte Fall bei homosexuellen Männern eine wiederholte Infektion.
Angesichts der steigenden Syphiliszahlen vor allem bei Männern, die mit Männern schlafen, gibt es laut RKI "große Befürchtungen" wegen der Entwicklung bei HIV-Infektionen. Bislang habe sich die Syphilisepidemie in dieser Gruppe aber nur gering auf die Zahl der HIV-Neudiagnosen ausgewirkt. Die Experten werten die Ausbreitung der Syphilis in dieser Gruppe auch als Indiz für eine Änderung des Sexualverhaltens und einen sorgloseren Umgang mit dem Thema HIV/Aids. Ausschlaggebend für die Ausbreitung der Syphilis seien besonders die steigenden Partnerzahlen. Auch sei angesichts der im Vergleich zu HIV besseren Behandelbarkeit der Syphilis nicht zu erwarten, dass nun als "Angstreaktion" die Zahl der Geschlechtspartner sinken wird.
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