Berlin, 15. September (AFP) - Zehn Jahre nach der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo hat die UNO eine gemischte Bilanz zur Umsetzung des Aktionsprogramms gezogen. Zwar habe sich das Angebot zur Familienplanung, Verhütung, Gesundheitsversorgung und Aids-Prävention in vielen Ländern verbessert; doch sei die Bekämpfung von Müttersterblichkeit, Aids und ungewollten Schwangerschaften stark hinter den Zielen von 1994 zurückgeblieben, heißt es in einem UN-Bericht, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) am Mittwoch in Berlin vorstellte. In der Bilanz des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) wird vor allem die mangelnde Finanzierung dafür verantwortlich gemacht, dass die Umsetzung des Aktionsprogramms behindert worden sei.
Bei der Konferenz in Kairo 1994 stand die Bevölkerungsentwicklung als Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung und zur Armutsbekämpfung im Mittelpunkt. Die 179 Unterzeichnerstaaten setzten sich damals zum Ziel, das Wachstum der Weltbevölkerung und die Rohstoffe ins Gleichgewicht zu bringen, die Rechte von Frauen zu verbessern und allen Menschen Zugang zu Verhütung und Familienplanung zu gewährleisten.
Die Unterzeichnerländer hätten ihre Ziele in mehreren Konferenzen bekräftigt und strebten eine Halbierung der Zahl von extrem Armen und Hungernden bis 2015 an, heißt es in dem Bericht "Kairo plus zehn". Fast alle Entwicklungsländer hätten zudem im vergangenen Jahr angegeben, bevölkerungspolitische Aspekte zur Bekämpfung der Armut in ihre Politik aufgenommen zu haben. Die Anwendung von Verhütungsmitteln sei seit 1994 von 55 auf 61 Prozent gestiegen.
Allerdings sei das Hauptziel der Kairoer Konferenz, die Gleichberechtigung der Frauen, nur teilweise erreicht worden, weil entsprechende Gesetze oft nicht durchgesetzt würden, heißt es in dem Bericht weiter. Rund 200 Millionen Frauen hätten immer noch keinen ausreichenden Zugang zu Verhütungsmitteln, um ungewollten Schwangerschaften entgegenzuwirken. Jährlich würden über 500.000 Frauen an Komplikationen bei der Geburt sterben. Ein Großteil der fünf Millionen Menschen, die sich im vergangenen Jahr mit HIV infizierten, seien Frauen aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.
Das weiterhin schnelle Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern erhöhe den Druck auf die Umwelt, begünstige die Verstädterung und verschärfe die Armut, heißt es in der Studie weiter. Immer noch müssten rund 2,8 Milliarden Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen; 500.000 Menschen lebten in Ländern mit Wasserknappheit.
In ihrem Bericht kritisiert die UNO, dass die wichtigsten Geberländer nur rund die Hälfte der von ihnen 1994 zugesagten jährlichen 6,1 Milliarden Dollar für bevölkerungspolitische Maßnahmen zur Verfügung gestellt hätten. Mit Ausnahme einiger reicherer Entwicklungsländer seien die meisten armen Staaten auf die Hilfe von außen angewiesen. Die UNO forderte für die nächsten zehn Jahre verstärkte Bemühungen zur Umsetzung des Kairoer Programms. Unter anderem seien die Mittel für die Aids-Prävention immer noch nicht ausreichend.
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