Bangkok, 11. Juli (AFP) - Unter dem Motto "Zugang zu Behandlungen für alle" hat am Sonntag in Bangkok die 15. Welt-Aids-Konferenz begonnen. Die mit rund 17.000 Delegierten bislang größte Aids-Konferenz steht ganz im Zeichen von Warnungen vor einer dramatischen Ausbreitung der Immunschwächekrankheit. Aus Geldmangel drohe der Kampf gegen Aids katastrophal zu scheitern, sagte der Vorsitzende des Globalen Aids-Fonds, Richard Feathem, kurz vor Beginn der Konferenz in der thailändischen Hauptstadt. UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einer rapiden Ausbreitung des HI-Virus in Asien. Es drohe eine Pandemie von noch größerem Ausmaß als in Afrika südlich der Sahara.
Allein für das kommende Jahr fehlten noch 3,5 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) für Programme gegen Aids, Tuberkolose und Malaria, sagte Feathem, dessen Organisation Global Fund auch gegen die beiden anderen Krankheiten kämpft. Feathem appellierte vor allem an die USA und EU, ihre Verantwortung als größte Geber wahrzunehmen. Wenn der Globale Aids-Fonds nicht mehr Unterstützung bekomme, könnten die Krankheiten nicht eingedämmt werden. Das Programm UNAIDS benötigt nach eigenen Angaben bis 2007 20 Milliarden Dollar zum Kampf gegen die Immunschwächekrankheit.
Annan sagte vor Vertretern des Asien-Pazifik-Raumes, die Immunschwächekrankheit stehe auf dem Kontinent an einem Wendepunkt. In den vergangenen Jahrzehnten hätten mehr Menschen in Asien und im Pazifikraum aus der Armut herausgefunden als in anderen Teilen der Welt. Dieser Erfolg dürfe durch Aids nicht umgekehrt werden. Der UN-Generalsekretär warnte vor einer Umkehrung des wirtschaftlichen Erfolges des Kontinents, sollte die Verbreitung des HI-Virus nicht eingedämmt werden.
Nach Angaben von Experten könnte sich Aids in Asien in den kommenden drei Jahren zu einer Pandemie auswachsen, wenn die Regierungen nicht entschieden eingreifen. Eine massenhafte Verbreitung von HIV und Aids in China, Indien und Indonesien, die zusammen rund 40 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, wäre katastrophal. Chinas Regierungschef Wen Jiabao sagte am Samstag, Aids habe inzwischen alle Ebenen der chinesischen Gesellschaft erreicht. Die UNO rechnet mit rund zehn Millionen HIV-Infizierten in China innerhalb der kommenden sechs Jahre.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnte vor den Auswirkungen auf die Wirtschaft. Bis 2010 drohten 48 Millionen Erwerbstätige an Aids zu sterben, bis 2015 sogar 74 Millionen, warnte die ILO. "Aids ist nicht nur eine humanitäre Krise, sondern auch eine Bedrohung für die nachhaltige Entwicklung", sagte ILO-Chef Juan Somavia in Bangkok.
Ein zentrales Thema der Konferenz ist der Zugang zu Aids-Medikamenten. Vor allem die armen Länder hoffen, zu günstigen Preisen an antiretrovirale Medizin heranzukommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, das Ziel sei gefährdet, bis Ende 2005 rund drei Millionen Menschen in Entwicklungsländern mit Aids-Medikamenten zu versorgen.
Das UN-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) forderte einen besseren Schutz von Drogenabhängigen. Drogenkonsumenten dürften nicht nur eingesperrt werden, sondern müssten auch die Möglichkeit haben, saubere Nadeln zu benutzen, sagte UNODC-Chef Antonio Maria Costa. Weniger als fünf Prozent der Drogenabhängigen weltwelt hätten Zugang zu Versorgungseinrichtungen.
Weltweit sind nach UN-Schätzungen rund 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Am schlimmsten betroffen sind nach wie vor die afrikanischen Länder südlich der Sahara, wo rund 25 Millionen Infizierte leben. Seit der Entdeckung des HI-Virus in den USA 1981 starben weltweit 20 Millionen Menschen an Aids.
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