Paris, 6. Juli (AFP) - Im vergangenen Jahr haben sich weltweit rund 4,8 Millionen Menschen mit dem Aids-Virus HIV infiziert, mehr als jemals zuvor in einem Jahr. Rund 2,9 Millionen Menschen starben 2003 an der Immunschwächekrankheit, wie die UN-Organisation UNAIDS in ihrem am Dienstag vorgelegten Jahresbericht mitteilte. Betroffen sind neben Afrika vor allem Osteuropa und Asien, wo sich Aids sehr schnell ausbreitet. Weltweit leben dem Bericht zufolge zurzeit rund 38 Millionen Menschen mit der Krankheit. Seit dem erstmaligen Auftreten von Aids sind rund fünf Millionen Menschen weniger daran gestorben als befürchtet: Rund 20 Millionen Menschen erlagen seit 1981 der Krankheit. Zuvor war die Organisation von rund 25 Millionen Toten ausgegangen.
Die korrigierte Zahl der bisher an Aids Gestorbenen bedeute nicht, dass die Krankheit sich abschwäche, betonte UNAIDS. Die niedrigere Zahl der Aids-Toten seit 1981 basiere lediglich auf genaueren Angaben aus Entwicklungsländern und auf exakteren Berechnungsmethoden. Damit können etwa die Opferzahlen in abgelegenen ländlichen Regionen besser erfasst werden. Auch die Risikogruppen wie Homosexuelle, Prostituierte und Drogenabhängige, die die Krankheit oft aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung nicht öffentlich machen, werden genauer erfasst. UNAIDS schlüsselt die Zahl der Infizierten und an Aids Gestorbenen alle zwei Jahre in einer detaillierten Land-für-Land-Analyse auf.
Von den weltweit rund 38 Millionen Infizierten leben allein 25 Millionen im Afrika südlich der Sahara. Vor allem Frauen sind in diesen Regionen von der Krankheit betroffen. Bei den Erwachsenen sind rund 57 Prozent der Infizierten weiblich, bei jüngeren Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sogar 75 Prozent. Die Zahl der Aids-Waisen im Afrika südlich der Sahara ist von 9,6 Millionen im Jahr 2001 auf 12,1 Millionen gestiegen. In der Region ist die Lebenserwartung inzwischen auf 49 Jahre gesunken. Vor Auftreten von Aids hatte sie noch bei 62 Jahren gelegen. Am stärksten betroffen sind die Länder Botswana und Swasiland.
In Osteuropa und dem Mittleren Osten, wo 1,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert sind, breitet sich die Krankheit dem Bericht zufolge äußerst schnell aus. Rund 80 Prozent der Infizierten sind dort unter 30 Jahre alt, in Westeuropa und den USA liegen zum Vergleich nur 30 Prozent in dieser Altersgruppe. Den größten Anteil an den Infizierten stellen dort die Männer. Am stärksten betroffen sind die Ukraine, Russland und Estland. In Westeuropa sind rund 580.000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert.
Vom 11. bis 16. Juli findet in Bangkok die 15. Internationale Aids-Konferenz statt. Die rund 20.000 Teilnehmer werden dabei vor allem nach Wegen suchen, rund sechs Millionen Infizierten in der Dritten Welt den Zugang zu medizinischer Versorgung zu erleichtern.
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