Johannesburg/Genf, 22. Juni (AFP) - Die Immunschwächekrankheit Aids und anhaltende Nahrungsmittelknappheit machen das südliche Afrika nach Einschätzung der Vereinten Nationen zur weltweit schlimmsten Krisenregion. "Was im südlichen Afrika passiert, stellt die zurzeit absolut ernsthafteste humanitäre Krise der Welt dar", sagte der UN-Sondergesandte James Morris am Dienstag in Johannesburg nach Abschluss einer Reise durch Malawi, Mosambik, Swasiland und Namibia. In der gesamten Region sei die Versorgungslage "ernst"; hinzu komme eine "außergewöhnliche, beispiellose gesundheitliche Situation durch HIV und Aids".
Widrige Wetterbedingungen sowie eine Verbreitung von HIV und Aids bei durchschnittlich fast einem Viertel der Bevölkerung hätten einen "überwältigenden Einfluss auf Regierungen sowie die Entwicklung und Fähigkeiten zivilgesellschaftlicher Institutionen", sagte Morris, der auch Geschäftsführer des Welternährungsprogramms (WFP) ist. Die Krise im südlichen Afrika übertreffe noch die Lage in der westsudanesischen Krisenregion Darfur, betonte er. Im südlichen Afrika seien noch wesentlich mehr Menschen als in Sudan betroffen.
Die UN-Gesundheitsorganisation (WHO) warnte derweil vor einer neuen Epidemie der Kinderlähmung in Zentral- und Westafrika. Offenbar sei in der gesamten Region von Nigeria bis nach Darfur ein neuer Polio-Virus aufgetreten, teilte die WHO in Genf mit. Zuletzt sei am 20. Mai im Westen Sudans ein gelähmtes Kind entdeckt worden, das einen ähnlichen Virus in sich getragen habe, der auch im Norden Nigerias aufgetreten sei. Spezialisten hätten bestätigt, dass das Gebiet am Rande der "größten Polio-Epidemie seit Jahren" stehe.
Den Angaben zufolge werden die Bemühungen der WHO um Impfungen erheblich dadurch eingeschränkt, dass die Behörden im islamischen Norden Nigerias sich gegen jegliche Schutzmaßnahmen sperren.
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