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Geld geht vor Gesundheit - US-Porno-Industrie läuft nach HIV-Fällen wieder auf Hochtouren - Viele Darsteller verzichten weiter auf Kondome

Agence France-Presse - Mai 24, 2004
Maria Lorente

Los Angeles, 24. Mai (AFP) - Wenn alles gut geht, wird Peter Shaft, 25, einmal Pilot sein. Ganz vorne im Cockpit - ein Traum. Bis dahin muss der Student allerdings noch einiges Geld für seine Ausbildung berappen. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? "Ich werde für Sex bezahlt. Und Sex ist wie Pizza: Selbst wenn er schlecht ist, ist er noch gut", sagt er.

Shaft ist einer von rund 6000 Menschen, die in der Porno-Industrie bei Los Angeles beschäftigt sind. Ein Drehverbot bis Juni hatten die Studios verhängt, als Anfang April bekannt wurde, dass sich einige Darsteller mit HIV infiziert hatten. Und jetzt? Nach drei positiven Testergebnissen laufen die Kameras wie zuvor. Gesundheitsschutz? Kondome? Kaum jemand hat Lust, lange über solche Fragen nachzudenken.

Paul Thomas ist Regisseur. Er sorgt am Set dafür, dass die Darsteller alle Drehbuchdetails einhalten. Keine einfache Aufgabe. Denn hier wird nicht eine Szene gefilmt, sondern drei parallel. Im Kulissenwohnzimmer ist ein Paar auf dem Sofa beschäftigt, ein anderes auf dem Küchentisch, ein drittes im Garten. "Wir müssen die verlorene Zeit aufholen", erklärt Thomas.

20 Jahre arbeitet er schon für die Vivid-Studios im San-Fernando-Tal bei Los Angeles. Er kennt sich aus im Geschäft. Auf Kondome ist er trotz der HIV-Fälle nicht gut zu sprechen. Die hätten die Firma "ein Vermögen" gekostet. "Viele unserer Videos, in denen die Darsteller ein Präservativ verwendeten, konnten wir nicht verkaufen." Trotzdem hat er die Verwendung von Präservativen bei Vivid vorgeschrieben. In der Pornoszene ist das eher die Ausnahme.

Eine Studie des US-Gesundheitsverbandes für die Sexindustrie (AIM) ergab, dass lediglich 17 Prozent der Darsteller Kondome verwenden. Das hat einen einfachen Grund: Die meisten Darsteller können es sich schlicht nicht leisten, sich ihre Arbeitsbedingungen auszusuchen.

"Ich bin hier doch ein Nichts", sagt der Student Shaft, der erst zwei Monate im Geschäft ist. "Ich kann es mir nicht erlauben, zum Produzenten zu sagen: Entweder Kondom oder gar nicht. Ich will mir eine Karriere aufbauen." Ähnliches hört man von anderen Darstellern. Der 31-jährige Vincent Vega benutzt zwar Präservative - aber nur vorübergehend: "Das wird nicht lange so sein. Denn leider sind sie eine Karrierebremse." Die 24-jährige Tawny Roberts, der Star von Vivid, ist da eine Ausnahme. Die hübsche Texanerin kann es sich leisten, ausschließlich für Paul Thomas zu arbeiten - mit Kondom.

Das San-Fernando-Tal nördlich von Los Angeles ist Zentrum einer milliardenschweren Industrie. Die dortigen Studios produzieren jährlich 4000 Filme und setzen damit bis zu 13 Milliarden Dollar (knapp elf Milliarden Euro) um. Als bekannt wurde, dass der Darsteller Darren James HIV-positiv sei, kam dies einem Donnerschlag gleich.

Der Aids-Beauftragte der Regierung, Gunther Freehill, kündigte daraufhin an, die Einführung einer Kondompficht prüfen zu wollen - was beim Interessenverband der Darsteller (FSC) lauten Protest hervorrief. Eine Kondompflicht bedeute den "Tod der Porno-Industrie". Die Studios wollten stattdessen vorsorglich ihre Tore schließen - eigentlich bis Anfang Juni, so lange, bis ein zuverlässiges Ergebnis der HIV-Tests aller Partner von Darren James vorgelegen hätte. Schon im April stand fest, dass drei Darstellerinnen positiv waren. Für die Studios war die Sache damit erledigt. Nun laufen die Dreharbeiten wieder.

Die meisten Darsteller wollen die HIV-Gefahr nicht wahrhaben. "Natürlich hatte ich Angst, als ich hörte, dass mehrere Darsteller positiv sind", sagt Peter Shaft mit leicht zitternder Stimme. "Aber mein Job ist super", setzt er hinzu, bevor die Kamera wieder anläuft. Seine Film-Partnerin Kody Coxxy ist weniger beunruhigt. "Ich mache laufend HIV-Tests, und mein Verlobter auch", sagt sie. "Die Leute, mit denen ich arbeite, sind sauber."

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