Berlin/Peking, 1. Dezember (AFP) - Mit zahlreichen Veranstaltungen und Appellen haben Politiker und Aktivisten am Welt-Aids-Tag zu einem entschiedenen Kampf gegen die Immunschwächekrankheit aufgerufen. "Aids ist weltweit zu einem der größten Entwicklungshemmnisse geworden", erklärte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Montag in Berlin. Die Krankheit bedrohe in vielen armen Ländern die wirtschaftliche und soziale Stabilität. Chinas Regierungschef Wen Jiabao besuchte erstmals kranke Landsleute. Weltweit leben rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, allein dieses Jahr werden nach Schätzungen der UNO drei Millionen an Aids sterben.
Die Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Aids Stiftung, Rita Süssmuth (CDU), forderte mehr Aufklärung in Deutschland. Der Anstieg der Zahl der Aidsinfektionen in Deutschland sei auf verringerte Informationsarbeit zurückzuführen, sagte Süssmuth dem Bayerischen Rundfunk. Gerade junge Menschen stünden der Krankheit gleichgültiger gegenüber.
Der britische Premierminister Tony Blair nannte den Kampf gegen Aids und den HI-Virus eine "moralische Pflicht" gegenüber den armen Ländern. Er liege aber auch im Interesse der reichen Länder, schrieb Blair in der Boulevardzeitung "The Sun".
"Wir müssen anerkennen, dass noch viel Arbeit zu tun ist", sagte Marc Danzon, Direktor des Europa-Büros der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Kopenhagen. In den 52 europäischen Staaten sind laut WHO und dem UN-Programm UNAIDS zwischen 1,72 und 2,48 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, zwei Drittel davon in der russischen Föderation. In Westeuropa stieg die Zahl der Ansteckungen in den vergangenen fünf Jahren demnach um fünf Prozent an.
Die chinesische Führung geht neuerdings offener mit der Krankheit um, die bislang verharmlost wurde. Ministerpräsident Wen sprach in einem Krankenhaus in Peking mit Aids-Patienten und schüttelte ihnen die Hände, wie ein Klinikmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP sagte. In chinesischen Zeitungen wurde erstmals ausführlich über die Krankheit berichtet. Vize-Gesundheitsminister Ma Xiaowei sprach laut der Nachrichtenagentur Xinhua von einer Million HIV-Infizierten. Laut WHO könnten bis 2010 20 Millionen Chinesen das HI-Virus in sich tragen. China werde das erste asiatische Land sein, in dem ein neues UN-Programm zur Verteilung von Medikamenten umgesetzt werde, kündigte der zuständige WHO-Direktor Paolo Teixeira an.
WHO und UNAIDS hatten am Sonntag bekannt gegeben, in den kommenden zwei Jahren drei Millionen Aidskranke in Entwicklungsländern mit dringend benötigten Arzneien zu versorgen. "Das Leben von Millionen Menschen steht auf dem Spiel", sagte WHO-Generaldirektor Jong Wook Lee. Laut WHO stirbt im asiatisch-pazifischen Raum jede Minute ein Mensch an Aids.
In Südafrika, das mit 5,3 Millionen Infizierten weltweit am stärksten betroffene Land, fanden am Montag Aids-Konferenzen und Kundgebungen statt. In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka machten hunderte Demonstranten, unter ihnen Prostituierte, Eunuchen und Homosexuelle, auf die Gefahr des HI-Virus aufmerksam. Das südasiatische Land zählt offiziell nur 363 Fälle, aber etwa ein Drittel davon kamen allein in den letzten zwölf Monaten hinzu. In Indien begrüßten Aids-Aktivisten den Einsatz der Regierung für die Preissenkung von Arzneimitteln durch indische Pharmakonzerne. Der Gesundheitsminister des Vatikan, Kardinal Javier Lozanao Barragan, rief die Menschen zur Keuschheit auf. Dies sei die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung von Aids.
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