Rio de Janeiro, 30. November (AFP) - Mit der Vergabe von billigen oder kostenlosen Medikamenten und effektiver Aufklärung hat Brasilien eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Aids eingenommen. Die Erfolge des lateinamerikanischen Schwellenlandes sind messbar: Seit 1997 ging die Zahl der Aids-Toten um die Hälfte zurück; in den kommenden drei Jahren will die Regierung die Zahl der Infektionen um 30 Prozent verringern.
135.000 Menschen sind in dem 170-Millionen-Einwohner-Land nach offiziellen Zahlen mit dem HI-Virus infiziert, aber nach Schätzungen des brasilianischen Gesundheitsministeriums kommen etwa 400.000 Menschen hinzu, die sich ihrer Infektion nicht bewusst sind. Die Zahl der Neuinfektionen konnte jedoch zurückgeschraubt werden: Lag sie im vergangenen Jahrzehnt noch bei 25.000 pro Jahr, pendelte sie sich inzwischen bei 22.000 Menschen ein.
Während des inzwischen 20-jährigen Kampfes der brasilianischen Regierungen gegen Aids ist die Generika-Regelung der wohl größte Erfolg. Nach harten Verhandlungen mit internationalen Pharmakonzernen begann Brasilien 1997 mit der Produktion von Arzneimittel-Duplikaten und drückte die Preise für Behandlungen um bis zu 80 Prozent.
Inzwischen werden sieben von 15 in Brasilien erhältlichen Aids-Medikamenten vor Ort produziert. Seit diesem Jahr sind zwei der modernsten Aids-Medikamente auf dem Markt; die Regierung konnte gegenüber den Herstellern eine Preisreduzierung von 75 Prozent durchsetzen. Das Gesundheitsministerium stellt 65 Prozent seines Aids-Budgets für Medikamente zur Verfügung. Aids-Kranke haben einen Anspruch auf kostenlose Medizin.
Wegen der gesunkenen Behandlungskosten können die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen im kommenden Jahr um 75 Prozent auf umgerechnet mehr als 70 Millionen Euro erhöht werden. Mit einer Kampagne für Aidstests sollen vor allem auch Verheiratete angesprochen werden, denn die Zahl der Frauen, die sich bei ihren Ehemännern anstecken, steigt Jahr für Jahr an. "Heirat ist keine Garantie für Schutz", heißt der Slogan. Auch die immer häufiger betroffenen Jugendlichen sollen besser aufgeklärt werden; im August verteilte die Regierung Kondome in Schulen.
Brasilien sei vor 20 Jahren eine Entwicklung wie in Afrika vorhergesagt worden, sagt Alexandre Grangeiro, Chef des staatlichen Anti-Aids-Programms. Doch tatsächlich stehe das südamerikanische Land weit besser da. Grangeiros Vorgänger Paulo Texeira wechselte inzwischen zur Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dort gilt Brasilien als Vorbild für eine weltweite Strategie im Kampf gegen Aids.
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