Neu Delhi, 30. November (AFP) - Einen Tag vor dem Welt-Aids-Tag hat die indische Regierung Pläne für eine drastische Senkung von Arzneimittelpreisen für HIV-Infizierte bekannt gegeben. Die Regierung verhandle mit indischen Pharmakonzernen über "Tiefpreise für Medikamente", sagte Gesundheitsministerin Sushma Swaraj am Sonntag in Neu Delhi. Die Unternehmen hätten zugesagt, ihre Preise auf weniger als 38 Dollar-Cent (32 Euro-Cent) für die tägliche Dosis zu drücken, wenn die Regierung im Gegenzug Exporthilfe gewähre. Sie werde den Finanzminister um Hilfe bitten und sei sicher, dass eine Einigung zustande komme.
Drei indische Firmen nehmen an einem Projekt teil, das von der Stiftung des früheren US-Präsidenten Bill Clinton auf den Weg gebracht wurde und eine Preissenkung auf 0,38 Dollar pro Tag für Aids-Medikamente in neun Karibik- und vier afrikanischen Staaten anstrebt. Sie habe die indischen Firmen gefragt, warum sie die Preise nicht auch für die eigene Bevölkerung senken, sagte Swaraj. Indien ist mit 4,58 Millionen HIV-Infizierten nach Südafrika das am stärksten von Aids betroffene Land. In Südafrika leben fünf Millionen Infizierte.
Einem Unternehmensvertreter zufolge sollen Inder künftig für 20 Cent pro Tag ein gängiges Aids-Medikament erhalten. Derzeit kostet die Behandlung durchschnittlich mindestens einen Dollar pro Tag. Der Leiter der staatlichen indischen Aids-Organisation, Meenakshi Datta Ghosh, sagte, das Programm werde nach weiteren Ausarbeitungen im April unterzeichnet werden können.
Der Gesundheitsministerin zufolge will die Regierung zudem zwei Milliarden Rupien (36,4 Millionen Euro) für ein Programm zur Verfügung stellen, das die kostenlose Verteilung von Medikamenten an HIV-positive Kinder bis 15 Jahren und an arme Patienten vorsieht. Swaraj zufolge verteilte die Regierung 171 Milionen kostenlose Kondome unter Prostituierten und anderen Risikogruppen. Aids-Aktivisten werfen der von den nationalistischen Hindus geführten Regierung vor, im Kampf gegen Aids zu wenig an Verhütung zu appellieren und statt dessen sexuelle Abstinenz zu fordern.
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