Paris/Berlin, 25. November (AFP) - Angesichts weltweit rund 40 Millionen Aidskranker und HIV-Infizierter haben die Vereinten Nationen gewaltige Anstrengungen gegen die Immunschwächekrankheit gefordert. Allein in diesem Jahr werden rund drei Millionen Menschen an Aids gestorben sein, wie es in dem am Dienstag in Paris vorgestellten Jahresbericht der UN-Hilfsorganisation UNAIDS und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hieß. Nach aktuellen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) leben derzeit in Deutschland bis zu 45.000 Menschen mit einer HIV-Infektion - Tendenz steigend. Italienische Wissenschaftler wollen mit einem neuen Impfstoff die Vermehrung von HI-Viren stoppen.
Dem Jahresbericht von UNAIDS und der WHO zufolge stellt Aids nach wie vor das größte Gesundheitsproblem der Menschheit dar. Jegliches "Wissen und Ressourcen" müssten in die Waagschale geworfen werden, um die Epidemie zu vernichten, forderten die Organisationen. Weltweit seien etwa 2,5 Millionen Kinder mit dem HI-Virus infiziert. Allein in diesem Jahr würden sich etwa fünf Millionen Menschen neu anstecken; jeden Tag kämen etwa 14.000 Menschen dazu.
Etwa zwei Drittel aller Infizierten leben in der Region südlich der Sahara. Ähnliche Ausmaße könnte die Epidemie aber auch in früheren Ostblockstaaten und Teilen Asiens annehmen. In den bevölkerungsreichsten Ländern China, Indien und Indonesien bildeten Prostitution und Drogenkonsum eine tödliche Mischung, warnt die UNO.
Positiv vermerkt der Jahresbericht, dass in den vergangenen zwei bis drei Jahren mehr Geld nach Afrika geflossen sei. Auch seien die Behandlungskosten dank günstiger Generika gesunken. Inzwischen koste die billigste Behandlung eines Kranken rund 250 Euro, Anfang 2000 hatte sie noch mehr als 10.000 Euro gekostet. Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit werden nach Schätzungen der UNO im Jahr 2005 mehr als 8,5 Milliarden Euro gebraucht.
Die Zahl der HIV-Infizierten werde auch in Deutschland in den kommenden Jahren weiter steigen, sagte RKI-Präsident Reinhard Kurth. Denn "dank der Behandlungserfolge" würden weniger Menschen an Aids sterben als sich neu infizieren. Hierzulande ständen jährlich rund 2000 Neuinfektionen etwa 600 bis 700 Todesfällen gegenüber. Etwa die Hälfte der neuen HIV-Positiven seien homosexuelle Männer. Dem RKI zufolge ging der Kondomgebrauch jedoch seit Mitte der neunziger Jahre zurück, während sexuelle Risikokontakte zunahmen.
Italienische Wissenschaftler erhielten vom Gesundheitsministerium in Rom die Genehmigung für Tests eines neuen möglichen Aids-Impfstoffs am Menschen, wie das Forschungsinstitut ISS mitteilte. Der Impfstoff ziele auf ein im HI-Virus enthaltenes Protein namens TAT ab, das eine wichtige Rolle bei der Vermehrung der Viren spiele. Die Forscher hoffen, die Vermehrung von HI-Viren stoppen zu können, wenn sie das Protein blockieren. Bisher ist kein Mittel bekannt, mit dem Aids geheilt oder eine HIV-Infektion verhindert werden kann. Ärzte können lediglich die Folgen der Infektion mit dem Virus verzögern.
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