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UNO/Bildung/Gleichberechtigung: UNESCO: Mädchen bei Schulbildung weiter erheblich benachteiligt - Arbeit, Krieg oder Krankheit statt Schulbank - Ungleichheit behindert wirtschaftlichen Fortschritt

Agence France-Presse - November 6, 2003


Paris, 6. November (AFP) - Zur Schule zu gehen bleibt für viele Mädchen in der Dritten Welt ein ferner Traum. In 54 Ländern der Erde entscheiden sich Familien aus der Not heraus, ihre Söhne in die Schule zu schicken, während die Töchter zum Familienunterhalt beitragen müssen, heißt es in einer am Donnerstag in Paris veröffentlichten Studie der UN-Bildungsorganisation UNESCO. Neben bitterer Armut werden frühe Eheschließungen, die Immunschwächekrankheit Aids oder Krieg als Gründe für die Benachteiligung der Mädchen genannt. "Dabei würde es sich auszahlen, in Bildung für Mädchen zu investieren", sagte Christopher Colclough, der Leiter der Studie. Gebildete Frauen könnten die Armut ihrer Familien lindern und ihren Kindern bessere Chancen auf Gesundheit und Bildung bieten.

An die 100.000 Mädchen in 30 Ländern waren nach einer Schätzung der Studie in den neunziger Jahren direkt von Kriegen betroffen und wurden dort als Kämpferinnen, Köchinnen, Trägerinnen, Spioninnen, Dienerinnen oder Sex-Sklaven ausgebeutet. Auch die überwältigende Mehrheit der auf 25 Millionen geschätzten Flüchtlinge weltweit seien Frauen und Kinder. "Natürlich ist das Ergebnis der Studie keine Riesenüberraschung, aber es ist dennoch sehr Besorgnis erregend", kommentierte UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura. "Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eine Priorität, nicht nur weil Ungleichheit gegen die Menschenrechte verstößt, sondern auch weil sie ein gewaltiges Hindernis für soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist.

Insgesamt sei im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts ein leichter Fortschritt zu verzeichnen, heißt es in der UNESCO-Studie weiter. Dennoch seien 57 Prozent der weltweit 104 Millionen Kinder, die nicht in die Schule gehen können, immer noch Mädchen. "Diese Tatsache spricht dafür, dass Diskriminierung ein dringliches Problem bleibt."

Von den 54 Staaten mit der größten Ungleichheit liegen 16 im südlichen Afrika. Am schlimmsten ist die Lage im verarmten afrikanischen Staat Tschad und in dem arabischen Land Jemen: Auf 100 Jungen in der Schule kommen hier nur 63 Mädchen. Gefolgt werden diese Ärmsten der Armen von Guniea-Bissau (67 Mädchen pro 100 Jungen), Benin, Niger (68) und Äthiopien (69). In Indien liegt die Zahl bei 83.

Allerdings gibt es laut der Studie auch positive Entwicklungen: So liegt die Zahl der Mädchen in den Höheren Schulen in vielen Ländern über der der Jungen. Zu diesen Ländern gehören zum Beispiel Bangladesch, Mexiko und Dänemark, wo auf 100 Jungen an weiterführenden Schulen 105 Mädchen kommen. Noch deutlicher ist der Unterschied im arabischen Golfstaat Bahrain (107 Mädchen pro 100 Jungen), Kolumbien, Philippinen (110), Malaysia (111) und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (112).

Nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung sei Bildung für Mädchen und Frauen von Bedeutung, betonte Colclough. Sie trage auch zum persönlichen und gesellschaftlichen Wohlergehen bei. "Gebildete Eltern, und vor allem Mütter, haben gesündere und besser ernährte Kinder mit besseren Aussichten auf Schulbildung und Erfolg in der Schule", versicherte der Experte. Die UNESCO verabschiedete im Jahr 2000 ein Programm unter dem Titel "Bildung für alle". Die 164 beteiligten Staaten setzen sich darin das Ziel, die Zahlen von Jungen und Mädchen in Grund- und weiterführenden Schulen bis 2005 auf das gleiche Niveau zu bringen.

+++ Der Bericht im Internet unter www.efareport.unesco.org +++

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