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D/Wissenschaft/Medizin/Krankheiten/Aids: Erste klinische Studie mit HIV-Impfstoff in Deutschland geplant - Mehr Forschungsanstrengung in Deutschland gefordert

Agence France-Presse - Oktober 21, 2003


Berlin, 21. Oktober (AFP) - Noch in diesem Jahr könnten in Deutschland erste klinische Studien zur Wirksamkeit eines HIV-Impfstoffs beginnen. Ein entsprechender Antrag bei der Kommission Somatische Gentherapie (KSG) sei gestellt, erklärte die Internationale Aids-Impfstoff-Initiative (IAVI) am Dienstag am Rande einer Tagung des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Sobald die Genehmigung vorliege, könnten an den ausgewählten Studienzentren in Hamburg und Bonn erste Test starten. RKI-Präsident Reinhard Kurth plädierte für eine bessere Finanzierung entsprechender Aids-Forschung in Deutschland, um die "größte medizinische Katastrophe der Neuzeit" bewältigen zu können.

In Hamburg und Bonn soll nach Angaben von IAVI ein Wirfstoff erprobt werden, der bereits nach einmaliger Verabreichung einen langanhaltenden Schutz gegen Aids erwarten lässt. Es handle sich dabei um ein Rekombiniertes Adenovirus (rAAV) das Teile des HIV-Erbguts enthält und als Genfähre funktioniert. Ebenso wie Kurth forderte auch der Erlanger Virologe Bernhard Fleckenstein größere Forschungsanstrengungen. Hierzulande werde die Entwicklung von Aids-Impfstoffen nur mit sieben Millionen Euro im Jahr gefördert, bemängelte Fleckenstein. In den USA seien die Investitionen dagegen 300-mal so hoch.

Die gemeinnützige Organisation IAVI fördert die Impfstoffforschung auch privater Unternehmen gegen die Zusage, einen erfolgreich getesteten Impfstoff Entwicklungsländern zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung zu stellen. Derzeit fördert IAVI Projekte unter anderem in Großbritannien, Kenia, Uganda und den Niederlanden. In der Schweiz etwa werde an der Entwicklung einer Schluckimpfung gegen Aids gearbeitet, die billig zu produzieren ist, ohne Kühlung gelagert und transportiert werden kann und damit erhebliche Vorteile bietet für die Verabreichung in den großen Verbreitungsgebieten Afrika oder Asien.

Eine Prognose, wann es den weltweit ersten HIV-Impfstoff geben wird, ist laut IAVI-Europa-Direktor Frans van den Boom schwierig. "Niemand kann sagen, wir haben einen Impfstoff in zehn oder 15 Jahren", sagte van den Boom. Derzeit aber werde an einer Reihe von möglichen Impfstoffen geforscht und möglicherweise könne in fünf bis sechs Jahren tatsächlich der erste Impfstoff produziert werden.

Am RKI in Berlin beraten noch bis Mittwoch rund 25 Forscher über vielverstrechende Forschungsansätze. Einigkeit herrscht darüber, dass ohne effektiven Impfschutz die Aids-Epidemie nicht in den Griff zu bekommen ist. Derzeit stecken sich laut IAVI stündlich 600 Menschen mit HIV an. Und neun von zehn Betroffenen wissen nicht, dass sie infiziert sind.

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