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Afrika/Südafrika/Aids/UNO/KORR: Sechs Monatslöhne für eine Beerdigung - Südafrikaner geben letztes Hemd für Bestattung von Aids-Opfern - Epidemie sorgt für Platzmangel auf Friedhöfen

Agence France-Presse - September 22, 2003
Jan Hennop

Khutsong, 22. September (AFP) - Südafrika leidet unter einer der höchsten HIV-Infektionsraten weltweit. Täglich sterben in dem Land am Kap der Guten Hoffnung nach UN-Schätzungen fast tausend Menschen an Aids. Ihr Tod ist für die Hinterbliebenen nicht nur eine große seelische Belastung. Er raubt vielen ärmeren Familien auch die Ersparnisse, denn die Beerdigung der Opfer übersteigt vielfach ihre finanziellen Möglichkeiten. Die hohe Todesrate sorgt noch für ein weiteres Problem: In einigen Regionen des Landes fehlt es bereits an Platz für die Bestattung der Aids-Opfer. Bei den zunehmenden illegalen Beerdigungen werden häufig die hygienischen Standards nicht eingehalten, die Behörden warnen vor der Ausbreitung von Seuchen.

Die meisten Einwohner von Khutsong, einem Township in der Nähe von Johannesburg, arbeiten in den Goldminen der Umgebung. Bis zu 2500 Rand (knapp 300 Euro) bringt ein Bergarbeiter monatlich nach Hause. Das sind etwa 500 Rand mehr, als eine einfache Beerdigung kostet. In dieser seien die Kosten für Sarg, Grab, Leichenwagen, sowie einen Wagen für die Fahrt der Familie zum Friedhof enthalten, sagt Gloria Lekgari. Für einen Grabstein müsse ein Aufpreis gezahlt werden, fügt die Mitarbeiterin einer der sieben Leichenhallen in dem Bergarbeiter-Ort hinzu.

Viele Angehörige entschieden sich ohnehin für eine aufwändigere Beerdigung, sagt Lekgari. "In unserer Kultur ist es das letzte, was man für einen Menschen tun kann, und darum will man ihm auch das Beste geben." Für eine "ordentliche" Beerdigung einschließlich der Schlachtung einer Kuh und mehrerer Ziegenböcke müssen bis zu 15.000 Rand eingeplant werden - das bis zu Sechsfache eines regulären Monatseinkommens.

Die Auftragsbücher der südafrikanischen Bestattungsindustrie sind gut gefüllt; angesichts des verheerenden Ausmaßes der Epidemie kommt bei Legkari und ihren Kollegen aber darüber keine Freude auf. "Obwohl es unser Geschäft ist, fühlen wir uns traumatisiert", sagt die 33-Jährige. Nicht nur, dass die Toten immer jünger würden. "Wir kennen mehr und mehr von den Menschen, die wir beerdigen, persönlich", sagt die Bestattungsunternehmerin.

Eine rasche Eindämmung der Immunschwächekrankheit ist nicht in Sicht: Nach UN-Angaben hat sich bereits ein Fünftel der erwachsenen Südafrikaner am HI-Virus angesteckt; 660.000 Kinder seien infolge der Krankheit verwaist. Die Aids-Toten sorgen in einigen Region bereits für Platzmangel auf den genehmigten Friedhöfen. Allein in der östlichen Provinz KwaZulu-Natal wurden nach Behördenangaben in den vergangenen zwölf Monaten etwa 30.000 Tote in illegalen Gräbern ohne Rücksicht auf hygienische Standards zur Ruhe gebettet.

Experten berichten von Fällen, in denen die Leichen von starken Regenfällen in nahe gelegene Flüsse gespült wurden. Auch das Grundwasser droht an solchen illegalen Grabstätten, verseucht zu werden. Die in Durban erscheinende "Daily News" zitiert einen zuständigen Behördenmitarbeiter: "Wir stehen vor einer ernsten Krise."

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