Genf, 29. August (AFP) - Nach jahrelangem Streit haben sich die 146 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) am Donnerstag über den erleichterten Zugang armer Länder zu billigen Medikamenten geeinigt. Wie WTO-Sprecher Keith Rockwell in Genf mitteilte, soll die Regelung den armen Ländern vor allem im Kampf gegen Epidemien wie Aids oder Malaria helfen. Die nun gefundene Kompromissformel solle dem Generalrat der WTO überreicht werden, der dafür sein grünes Licht geben werde. Sie basiere auf einer Vorlage von Dezember, der alle WTO-Staaten außer den USA zugestimmt hatten, und enthalte eine Erklärung von Generalratspräsident Carlos Pérez del Castillo.
Die Einigung soll dafür sorgen, dass Entwicklungsländer Nachahmer-Produkte bestimmter Medikamente ohne Rücksicht auf bestehende Patente importieren oder selbst herstellen dürfen. Die so genannten Generika haben die gleiche Wirkung wie patentgeschützte Medikamente, sind aber deutlich billiger. Vorausgeganen waren erfolgreiche Verhandlungen zwischen Südafrika, Kenia, Brasilien, Indien und den USA, die sich am Mittwochabend in Genf auf einen Kompromiss verständigt hatten.
Die US-Pharmaindustrie hatte mit Blick auf die WTO-Vorlage von Dezember die Befürchtung geäußert, eine Lockerung des Patentschutzes werde nicht nur für Medikamente gegen Infektionskrankheiten wie Aids und Malaria gelten, sondern auch für verkaufsträchtige Arzneien gegen Impotenz und Fettleibigkeit. Der Streit um billige Medikamente überschattete die Ende 2001 in Doha eingeläutete neue Welthandelsrunde. Vom 10. bis 14. September tagt im mexikanischen Cancún die nächste WTO-Ministerkonferenz.
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