Durban, 4. August (AFP) - Wegen ihrer umstrittenen Aids-Politik ist Südafrikas Regierung auf einer Fachkonferenz in Durban am Montag in die Kritik geraten. Die Verweigerung von Anti-Aids-Medikamenten sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", protestierte die südafrikanische Initiative Treatment Action Campaign (TAC). Ihr Vorsitzender Zackie Achmat forderte die Regierung auf, endlich einen Aktionsplan gegen die Immunschwächekrankheit vorzulegen. Zudem kritisierte er die Entscheidung des medizinischen Kontrollrats von vergangener Woche, die Zulassung des Medikaments Nevirapine wieder in Frage zu stellen.
Nevirapine, gegen dessen Zulassung sich die Regierung in Südafrika aufgrund der Nebenwirkungen lange gesträubt hatte, soll die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf ihr Baby um die Hälfte reduzieren. Mit seinen Zweifeln setzt sich der Rat in Südafrika über die Zulassung durch dei Vereinten Nationen und deren Weltgesundheitsorganisation (WHO) hinweg. US-Forscher Rod Hoff sagte in Durban, Studien hätten die "hohe Wirksamkeit" der Therapie belegt. Allein in den USA seien damit 2002 rund 1200 Infektionen vermieden worden. Die Regierung in Südafrika geriet in die Kritik, weil sie im Kampf gegen Aids stattdessen die richtige Ernährung empfahl.
Südafrikas Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang war am Vortag bei ihrer Eröffnungsrede mehrfach von Rufen wie "Schande" und "Aids-Behandlung jetzt" unterbrochen worden. Rund 4000 internationale Delegierte aus Wissenschaft, Industrie und Politik beraten in Durban über die Immunschwächekrankheit. Südafrika hat eine der höchsten HIV-Infektionsraten weltweit. Täglich sterben dort fast tausend Menschen am HI-Virus.
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