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Südafrika/Leute/PORTRÄT: Ein Mann des Ausgleichs ohne Rachegelüste - Nelson Mandela feiert seinen 85. Geburtstag - Ex-Präsident Südafrikas kämpft stets für Gerechtigkeit

Agence France-Presse - Juli 16, 2003
Christine Kellmann

Johannesburg, 16. Juli (AFP) - Wie jemand, der fast drei Jahrzehnte hinter Gittern verbracht hat, wirkt Nelson Mandela nicht: Sein Witz und sein immerwährendes Lächeln verleihen ihm noch im hohen Alter einen jugendlichen Charme, und sein ungebrochener Einsatz gegen die Probleme seines Kontinents halten den Mann mit den bunten Hemden fit. Am Freitag feiert der frühere Präsident von Südafrika mit 1600 Gästen von Rang und Namen seinen 85. Geburtstag - das hohe Alter spiegelt sich indes nur in seiner Biografie. Sein jahrzehntelanger Kampf gegen die Apartheid führte den einst berühmtesten Häftling der Welt bis ins Präsidentenamt. Während seiner Regierungszeit von 1994 bis 1999 zeigte Mandela keinerlei Rachegelüste gegen die früheren weißen Unterdrücker - eine Charaktereigenschaft, für die er international geschätzt wird.

27 Jahre saß Mandela in einer winzigen Zelle, die meiste Zeit auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt. Aber nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 verkündete der grauhaarige Mann mit dem gütigen Lächeln die Schaffung einer "Regenbogennation", in der die Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe gleiche Rechte genießen sollten. "Südafrika gehört allen, die dort leben, Schwarzen und Weißen", lautete einer seiner Wahlsprüche. Als erster schwarzer Präsident führte Mandela sein Land aus der 342 Jahre dauernden Vorherrschaft der Weißen und befreite sein Volk von 46 Jahren Apartheid.

Wenn Mandela Unrecht wittert, weicht der ausgleichende Charakter einer scharfen Zunge. Zu beobachten war dies zuletzt beim Irak-Krieg, als er US-Präsident George W. Bush als "Präsidenten, der nicht denken kann" bezeichnete und den britischen Premier Tony Blair als dessen "Außenminister". Als Bush vergangene Woche zum Staatsbesuch nach Südafrika kam, reiste Mandela demonstrativ ins Ausland und vermied so das obligatorische Händeschütteln vor den Kameras.

Den politischen Kampf begann der am 18. Juli 1918 in der Transkei geborene Sohn einer Xhosa-Adelsfamilie schon während des Studiums an der Schwarzenuniversität Fort Hare. Als 20-Jähriger, nur zwei Jahre nach Studienbeginn, wurde er wegen politischer Aktivitäten ausgeschlossen. Schließlich arbeitete er als Bergwerkspolizist in Johannesburg und erwarb sein Jura-Examen im Fernstudium. Mit seinem Freund Oliver Tambo gründete er 1949 die Jugendorganisation des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Beide eröffneten 1952 die erste schwarze Anwaltskanzlei Südafrikas. Anfang der 60er Jahre trat Mandela für den bewaffneten Kampf ein. 1962 wurde er deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt. Weltweit erschallte danach der Ruf: "Free Mandela".

Kurz nach seiner Freilassung setzte Mandela im ANC die Beendigung des bewaffneten Kampfes durch. Er erreichte, dass sich die Organistaion mit der weißen Minderheit in einer Regierung der nationalen Versöhnung zusammensetzte und das Land auf die erste freie Präsidentschaftswahl vorbereitete. Im Februar 1991 kündigte der damalige Präsident Frederik de Klerk die Abschaffung wichtiger Apartheidsgesetze an. Fünf Monate später wurde Mandela zum ANC-Chef ernannt. Mit dem Friedensnobelpreis, den er sich mit de Klerk teilt, wurde sein Engagement für den friedlichen Übergang 1993 ausgezeichnet. Die Krönung seines lebenslangen Kampfes gegen die Rassentrennung erlebte Mandela im Mai 1994, als sein ANC bei den ersten demokratischen Wahlen einen überwältigenden Sieg erlangte.

Nach seiner Scheidung von Winnie Madizikiela-Mandela heiratete Nelson Mandela an seinem 80. Geburtstag 1998 seine dritte Ehefrau Graca Machel. Ein Jahr später überließ er Thabo Mbeki das Präsidentenamt und ging in den Ruhestand. Mit dem ersehnten Rückzug ins Private und einem ruhigen Lebensabend im Kreise seiner Frau, seiner Kinder und seiner zahlreichen Enkel und Urenkel wurde es jedoch nichts. 2001 besiegte Mandela einen Prostatakrebs. International vermittelte er in verschiedenen Konflikten. Und er nahm einen neuen Kampf auf - den gegen Aids. In seinem Heimatland sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert.

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