Washington/Monrovia, 7. Juli (AFP) - Zweieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt bricht US-Präsident George W. Bush am Montagabend zu seiner ersten Afrikareise auf. Im Mittelpunkt seines Besuchs in fünf Ländern sollen der Kampf gegen Krieg, Aids und Armut stehen; aber auch Wirtschaftsfragen und der internationale Kampf gegen den Terrorismus stehen auf der Agenda. Die USA befürchten, dass "Terrorgruppen", die aus Asien oder Nahost vertrieben werden, afrikanische Länder als Unterschlupf nutzen könnten. In Liberia traf ein Erkundungsteam der US-Armee ein, das einen US-Militäreinsatz in dem Bürgerkriegsland prüfen soll. Präsident Charles Taylor akzeptierte ein Asylangebot Nigerias, ließ aber seinen Ausreisetermin weiter offen.
Auf seiner ersten Afrikareise wird Bush in Senegal, Südafrika, Botsuana, Uganda und Nigeria erwartet. Das Weiße Haus hatte erklärt, der Besuch solle sich auf afrikanische Erfolgsgeschichten konzentrieren: So betreibe der Irakkriegs-Alliierte Uganda einen konsequenten Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids; Senegal könne auf eine der stabilsten Demokratien des Kontinents verweisen, und Botsuana gehöre zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Ländern. Der Schwerpunkt der Reise liegt allerdings auf Südafrika und Nigeria, mit dem Washington enge Wirtschaftsbeziehungen unterhält.
Auf Bushs Reiseroute steht weder das Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) noch ein Besuch beim traditionellen Verbündeten Kenia. Es entbehre nicht einer gewissen Ironie, dass der US-Präsident auf seiner Afrikareise ausgerechnet das Treffen der afrikanischen Staatschefs auslasse, kritisierte Emira Woods von der Denkfabrik "Foreign Policy in Focus". Statt dem AU-Treffen in Mosambik einen Besuch abzustatten, werde der US-Präsident nun einzelne wichtige Führungspersönlichkeiten von dem Afrika-Treffen abziehen und ihre Aufmerksamkeit auf US-Interessen lenken.
Die US-Regierung erklärte dagegen, Bush habe bewusst auf das Treffen verzichtet, weil der Besuch des Präsidenten und seiner Entourage während des AU-Gipfels die "Kapazitäten" des Gastgeberlandes gesprengt hätte. Dass Bush auch auf einen Besuch in Kenia verzichtet, führen Beobachter auf die unsichere Lage in dem ostafrikanischen Land zurück. In Südafrika verzichtet Bush auf ein Treffen mit Ex-Staatschef Nelson Mandela, der den Irak-Krieg scharf kritisiert hatte.
Letztes Ziel der Bush-Reise ist Nigeria, das dem liberianischen Präsidenten Taylor offenbar in Absprache mit der US-Regierung Asyl anbietet. Taylor sagte am Sonntag, er werde Liberia auf "Einladung" des nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo verlassen, sobald er "die notwendigen Vorbereitungen" getroffen habe, um ein "Chaos zu verhindern". Den Termin zur Ausreise ließ er aber weiter offen. Zuvor hatte US-Außenminister Colin Powell mit Obasanjo telefoniert, wie das Washingtoner Außenamt mitteilte. Bush hatte wiederholt Taylors Rücktritt gefordert.
Obasanjo sagte, Taylor könne nach Nigeria kommen, "wann immer er will". Er werde dort "eine sichere Zufluchtsstätte" haben. Die Einladung sei eine notwendige Geste für den Frieden. Zugleich dankte er der internationalen Gemeinschaft dafür, dass sie die Entsendung einer Friedenstruppe nach Liberia erwäge.
In der liberianischen Hauptstadt Monrovia traf unterdessen ein Erkundungsteam der US-Armee ein, das einen möglichen US-Militäreinsatz in dem westafrikanischen Bürgerkriegsland prüfen soll. Der Leiter der Gruppe, Hauptmann Roger Coldiron, sagte, sein Team werde "die humanitäre und die Sicherheitslage" im Land erkunden. Medienberichten zufolge erwägen die USA die Entsendung von bis zu 2000 Soldaten nach Liberia.
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