Porto Karras, 20. Juni (AFP) - Entgegen der ursprünglichen Pläne hat die Europäische Union (EU) am Freitag auf eine Milliarden-Zusage für den Weltgesundheitsfonds verzichtet. Die entsprechende Passage sei auf deutsches und niederländisches Betreiben aus der Gipfelerklärung gestrichen worden, berichtete der britische Außenminister Jack Straw im griechischen Porto Karras. Die griechische EU-Ratspräsidentschaft wollte dem Fonds für das nächste Jahr bis zu eine Milliarde Euro aus nationalen und EU-Haushaltsmitteln zusagen.
Die USA hatten vor kurzem angekündigt, ihre Zuschüsse auf eine Milliarde Dollar pro Jahr aufzustocken. US-Präsident George W. Bush hatte dafür aber ein vergleichbar hohes Engagement der Europäer zur Bedingung gemacht.
An Aids, Tuberkulose und Malaria sterben rund sechs Millionen Menschen im Jahr. Der 2002 auf Initiative von UN-Generalsekretär Kofi Annan gegründete Weltgesundheitsfonds soll vor allem Betroffenen in armen Ländern dringend benötigte Medikamente zur Verfügung stellen. Gefördert werden sowohl der Kauf bestimmter Arzneien wie auch die Anstellung und Ausbildung von Personal, das für die Versorgung der Patienten notwendig ist.
Der britische Premierminister Tony Blair und der französische Präsident Jacques Chirac setzten sich beim EU-Gipfel dafür ein, mit den USA gleichzuziehen. Doch letztlich wurde selbst die Kompromissformel "bis zu eine Milliarde" gestrichen. Bedeutende EU-Beitragszahler wie Deutschland und die Niederlande hätten Probleme damit gehabt, vor der Geberkonferenz am 16. Juli eine Zahl zu nennen, sagte Straw. "Aus bis zu einer Milliarde wird schnell mindestens eine Milliarde", gab ein deutscher Diplomat zu bedenken. Stattdessen ruft die Gipfelerklärung die Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission nun auf, einen langfristigen und bedeutenden Beitrag zu leisten.
Die von Stars wie Bono und Bob Geldof gegründete Aidskampagne Data reagierte enttäuscht. Die europäischen EU-Staats- und Regierungschefs behaupteten immer, sie wollten sich keinem amerikanischen Diktat in der Weltpolitik beugen, kritisierte Lucy Matthew von Data. "Aber sie sind nicht bereit, den Preis der eigenen Führungsrolle zu zahlen."
Der Fonds im Internet unter www.globalfundatm.org
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