Berlin, 14. Oktober (AFP) - Mehr als sieben Millionen Kindern droht nach Angaben von UNICEF in sechs Staaten des südlichen Afrika in den nächsten Monaten der Hungertod. "Hunger leiden die Menschen schon seit langem, aber nun hat sich die Lage dramatisch zugespitzt", sagte der Vorsitzende der deutschen Sektion des UN-Kinderhilfswerkes, Reinhard Schlagintweit, anläßlich des Welternährungstags am Montag in Berlin. Im November setze in den Staaten Lesotho, Malawi, Mosambik, Sambia, Simbabwe und Swasiland die traditionelle Hungerlücke zwischen Aussaat und Ernte ein, aber schon jetzt seien die meisten Lager leer. Als wichtigsten Grund für die "sich anbahnende Katastrophe" nannte die Organisation die Immunschwächekrankheit Aids. "Die Nahrungsmittelknappheit trifft eine Bevölkerung, die durch Aids massiv geschwächt ist", erklärte der Koordinator für die UNICEF-Nothilfe im südlichen Afrika, Sharad Sapra.
Sapra warnte vor einem "Massensterben", von dem insbesondere Minderjährige betroffen wären. Schon jetzt gebe es in der Region etwa 4,2 Millionen Voll- oder Halbwaisen, deren Eltern an Aids gestorben seien. Zumeist lebten diese Kinder in Haushalten ohne Erwachsene, gingen nicht zur Schule, um Nahrung aufzutreiben, und prostituierten sich mitunter sogar; aus Furcht vor Ausbeutung hielten sie ihre Notlage oftmals geheim.
Um diesen Teufelskreis aus Hunger, fehlender Aufklärung und neuen Infektionen mit dem HI-Virus zu durchbrechen, hat UNICEF einen Nothilfeplan geschaffen. Dieser umfasst sowohl Nahrungshilfe und Impfungen als auch mittel- und langfristige Maßnahmen wie die Identifizierung der Kinderhaushalte, Hilfe zur Selbsthilfe und mehr Aufklärung. Für die Umsetzung dieses Programms benötigt die Organisation rund 27 Millionen Euro, allerdings hat sie nach eigenen Angaben bisher erst etwa sechs Millionen Euro gesammelt.
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