Stockholm, 7. Oktober (AFP) - Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an die beiden britischen Forscher Sydney Brenner und John E. Sulston sowie ihren US-Kollegen Robert Horvitz. Die Forscher hätten die Gene identifiziert, die die Organentwicklung und das programmierte Zellsterben regulieren, erklärte die Nobelversammlung am Karolinska Institut in Stockholm am Montag zur Begründung. Ihre Erkenntnisse könnten bei der Behandlung von Krankheiten wie Krebs oder Aids helfen.
Das Trio hat am Beispiel des winzigen Fadenwurms "Caenorhabditis elegans" die Zellteilung und die Spezialisierung von der befruchteten Eizelle bis zum erwachsenen Organismus verfolgt. Im Laufe der embryonalen Entwicklung vermehren sich die Zellen und spezialisieren sich, um die verschiedenen Gewebe und Organe des Körpers zu bilden. Auch bei Erwachsenen entstehen täglich neue Zellen. Parallel zu dieser Zellvermehrung ist das Zellsterben ein normaler und notwendiger Prozess - beim Embryo wie beim Erwachsenen. Versagt der Mechanismus des programmierten Zellsterbens, so können Zellen unkontrolliert wuchern, wie zum Beispiel bei Krebskranken. Bei Aids, Schlaganfällen oder Herzinfarkt hingegen sterben anormal viele Zellen ab.
Der 75-jährige Nobelpreisträger Brenner entdeckte den nur einen Millimeter langen Fadenwurm 1960 als ideales Modellobjekt für die Forschung. Sein Kollege Sulston identifizierte die Gene, die die Entwicklung von Organen aus bestimmten Zellen steuern. Sie sind auch bei höher entwickelten Wesen wie dem Menschen vorhanden. Der US-Forscher Horvitz fand heraus, welche Gene das programmierte Absterben von Zellen koordinieren.
Nach der Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises werden am Dienstag der Preisträger in Physik und am Mittwoch in Chemie und Wirtschaft benannt. Die Bekanntgabe des Literaturnobelpreises wird traditionell für Donnerstag erwartet. Höhepunkt ist die Bekanntgabe des Friedensnobelpreises am Freitag. Die mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preise sollen am 10. Dezember verliehen werden, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel (1833-1896). Es ist das 101. Mal, dass der renommierte Preis vergeben wird.
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