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D/Gesundheit/Drogen/ZF: Deutlich weniger Drogentote in Deutschland im ersten Halbjahr - Trend weg von Heroin hin zu synthetischen Drogen

Agence France-Presse - August 8, 2002


Berlin, 8. August (AFP) - In Deutschland ist die Zahl der Drogentoten und der Erstkonsumenten im ersten Halbjahr deutlich gesunken. Durch den Konsum von illegalen Rauschmitteln starben 586 Menschen, wie die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, am Donnerstag in Berlin sagte. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren es knapp 30 Prozent mehr. Den Rückgang der Drogentoten führte Caspers-Merk auch auf Ersatztherapien zurück. Die vom Ministerium betriebene Ausweitung der Methadonprogramme stößt aber auf den Widerstand der Krankenkassen. Bei Erstkonsumenten gibt es einen Trend hin zu synthetischen Drogen, vor allem zu Ecstasy-Tabletten.

In Deutschland leben Schätzungen zufolge derzeit 120.000 Menschen, die schwere Drogen wie Heroin oder andere Opiate konsumieren. Davon haben sich derzeit 50.000 zu einer Ersatztherapie etwa mit Methadon entschlossen, wie die Drogenbeauftrage darlegte. Um diesen Kreis auszuweiten, will die Bundesregierung die Voraussetzungen für die Teilnahme an den Programmen erleichtern. Methadon soll auf Kosten der Krankenkassen künftig nicht mehr nur jenen verabreicht werden dürfen, die neben ihrer Sucht auch noch an einer Krankheit wie HIV, Hepatitis oder Depression leiden.

Dies wollen aber die Kassen verhindern, weil sie enorme Kosten auf sich zukommen sehen. Sie haben inzwischen gegen die entsprechende Verordnung des Ministeriums geklagt. Derzeit zahlen die gesetzlichen Krankenversicherer die Ersatztherapie für 35.000 Drogenabhängige. Für die Substitution und die Behandlung der Begleitkrankheiten wenden sie laut Caspers-Merk im Jahr 80 Millionen Euro auf.

Laut der Statistik des Bundeskriminalamts ging die Zahl derer, die zum erstenmal Heroin spritzen, im ersten Halbjahr um 25 Prozent zurück. Beim Kokainkonsum gab es mit einem Minus von knapp zwei Prozent nur eine geringe Veränderung. Die offiziellen Zahlen weisen auch für den Gebrauch von Ecstasy einen deutlichen Rückgang von 25 Prozent aus. Laut Caspers-Merk bilden diese Erhebungen allerdings nicht die Wirklichkeit ab. Sie spiegelten vielmehr die Ermittlungsstrategien der Polizei wider. Durch Befragungen in der Szene sei bekannt, dass der Konsum von Partydrogen an der Tagesordnung sei. In der Techno-Szene nehme inzwischen quasi jeder Zweite gelegentlich oder regelmäßig das Aufputschmittel Ecstasy. Caspers-Merk warnte vor einer Verharmlosung dieser Droge. Es drohten nicht nur langfristige Hirnschäden. Unter den 1835 Drogentoten im vergangenen Jahr seien auch 43 Ecstasy-Opfer gewesen.

Die Zahl der in Deutschland beschlagnahmten Ecstasy-Pillen hat sich der Statistik zufolge in den vergangenen Monaten verdoppelt. Bemerkenswert sei, dass fast 90 Prozent davon in den Niederlanden hergestellt wurde und 80 Prozent davon nicht für den deutschen Markt bestimmt war, so Caspers-Merk. Dies deute an, dass Deutschland vom reinen Konsumland auch zum Transitland für Drogen werde.

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