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D/Gesundheit/Aids: Experten warnen vor Verharmlosung der Aids-Gefahr in Deutschland - Zunahme von Syphilis deutet auf mehr ungeschützten Sex

Agence France-Presse - August 7, 2002


Berlin, 7. August (AFP) - Angesichts der Erfolge bei der Behandlung von HIV-Patienten gehen die Deutschen offenbar wieder leichtfertiger mit dem Thema Aids um. Die derzeit zu beobachtende Zunahme sexuell übertragbarer Krankheiten lasse den Schluss zu, dass auch das Risiko für HIV-Infektionen wieder größer werden könnte, sagte Ulrich Marcus vom Robert Koch-Institut am Mittwoch in Berlin. Vor allem Syphilis-Erkrankungen hätten im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Besorgnis erregend sei zudem die "explosive Ausbreitung" des HI-Virus in Mittel- und Osteuropa, vor allem in der Ukraine.

Die Zahl der Syphilis-Erkrankungen in Deutschland stieg nach Angaben des Robert Koch-Instituts von im Durchschnitt monatlich 125 Fällen im ersten Halbjahr 2001 auf monatlich 179 Fälle in den ersten fünf Monaten dieses Jahres. Zwar ist nach Ansicht der Experten ein Zusammenhang mit HIV-Infektionen nicht zwingend, die Zahl der HIV-Neudiagnosen im ersten Halbjahr 2002 lägen nach einer ersten Schätzung allerdings höher als im vergangenen Jahr. Kai-Uwe Merkenich von der Berliner Aids-Hilfe beobachtet eine gewisse Präventionsmüdigkeit in Deutschland. Er wies darauf hin, dass Menschen mit HIV trotz der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten durch so genannte Kombinationstherapien immer noch in eine ungewisse Zukunft blicken.

Nicht nur die Nebenwirkungen einer HIV-Therapie, auch die Bildung von Resistenzen ist ein großes Problem. Um dies in den Griff zu bekommen, suchen Forscher ständig nach neuen Medikamenten. Hoffnung versprechen so genannte Fusionsblocker, die verhindern sollen, dass das Virus in eine Zelle eindringt und sich dort vermehrt. Das Anti-Aids-Medikament T 20, das den Handelsnamen "Fuzeon" bekommen soll, ist nach den Worten des Mediziners Keikawus Arastéh ein solcher Hoffnungsträger. Mit einer Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA sei im ersten Quartal 2003 zu rechnen.

Vor der Therapie muss aber in jedem Fall die Vorsorge kommen, und die ist nach Ansicht von Experten in vielen Regionen der Welt "katastrophal". In den Ländern Mittel- oder Osteuropas nimmt die Zahl der HIV-Infektionen nach UN-Zahlen dramatisch zu. In der Ukraine leben Schätzungen zufolge 500.000 Menschen mit dem tödlichen Virus. Vor allem Drogenabhängige hätten eine große Ansteckungsgefahr, wie Armin Traute von der Hilfsorganisation connect plus sagte, die vor Ort Selbsthilfegruppen unterstützt. Und wegen der ungenügenden Gesundheitversorgung in vielen osteuropäischen Staaten wüssten die HIV-Patienten überhaupt nicht, an wen sie sich wenden sollten.

Mediziner, Psychologen und Sozialwissenschaftler wollen ab Freitag auf einem Kongress in Berlin die Zusammenarbeit zur Bekämpfung dieser ansteckenden und immer noch unheilbaren Krankheit vorantreiben. Zudem soll zum "Tag des Erinnerns" am Samstag in Berlin eine Gala veranstaltet werden. Sie soll vor allem junge Menschen daran erinnern, dass Aids nach wie vor eine gefährliche Krankheit ist, vor der man sich durch ein Kondom effektiv schützen kann.

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