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Afrika/Hunger/Aids/Hilfe/ZF: Rotes Kreuz startet umfangreiche Hilfsaktion für südliches Afrika - Vor allem Waisenkinder sollen vor Hungertod gerettet werden

Agence France-Presse - Juli 22, 2002


Johannesburg/Berlin, 22. Juli (AFP) - Mit der größten Hilfsaktion seit den Balkankriegen will das Rote Kreuz einen Teil der rund 13 Millionen vom Hungertod bedrohten Menschen im südlichen Afrika retten. In den nächsten Monaten sollen dabei vor allem die am schwersten betroffenen Menschen in fünf Ländern versorgt werden, teilte die Organisation am Montag mit. Sambia, Malawi, Simbabwe, Lesotho und Swasiland stehen angesichts unzähliger Aids-Opfer und gleichzeitiger Missernten vor einer humanitären Katastrophe. Über die Hälfte der Güter sollen Kindern zu Gute kommen, hieß es. Insgesamt würden für den Einsatz noch 61,9 Millionen Dollar (rund 61 Millionen Euro) benötigt.

Rund 750.000 Menschen sollen bei der Aktion demnach etwa 76.000 Tonnen Lebensmittel erhalten. Vor allem Kindern, die oft nach dem Aids-Tod ihrer Eltern auf sich allein gestellt sind, soll den Angaben zufolge geholfen werden. Auch Trinkwasser, Medikamente, Decken und Saatgut werden in die betroffenen Regionen geliefert. "Für viele Menschen ist es schon zu spät", dämpfte Chef-Organisator Renny Nancholas die Erwartungen. Besonders in unzugänglichen Gebieten sei mit vielen Opfern zu rechnen. Dorthin sollten die Hilfsgüter zur Not auch auf dem Rücken von Pferden oder Eseln gebracht werden, kündigte Nancholas an.

In dem südafrikanischen Bergland Lesotho etwa ist nach Angaben des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF jeder fünfte Einwohner vom Hungertod bedroht. 440.000 der 2,2 Millionen Einwohner könnten sterben. Verschärft wird die Hungerkatastrophe durch die Aids-Epidemie in dem Land, wo nach offiziellen Statistiken 23 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv sind. In anderen Ländern übersteigt die Infektionsrate bereits die 30-Prozent-Marke. "Die Kombination von Hunger und Aids hat zu einer äußerst ernsten Situation geführt", sagte ein Rotkreuz-Vertreter. Die internationale Gemeinschaft müsse schnell darauf reagieren.

Das Hilfsprogramm soll von Südafrika aus organisiert werden. Zentrale Nachschublager sind in Südafrika und Sambia geplant. In Malawi, Sambia und Simbabwe sind bereits erste Aktionen des Roten Kreuzes angelaufen. Für Angola ist ein eigenes Programm vorgesehen. Mosambik ist nicht Teil der Hilfsaktionen, da es sich offensichtlich aus eigener Kraft der Hungersnot erwehren konnte.

Die Verteilung der Güter stützt sich auf die lokalen Einrichtungen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmond. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) beteiligt sich in fast allen Ländern an dem Hilfsprogramm.

Die Organisatoren beklagten, seit einem ersten Hilfsappell im Mai seien lediglich 30 Prozent der angefragten Mittel eingetroffen. Das Rote Kreuz arbeitet auch mit dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) zusammen. Die UNO hatte am Donnerstag zu einer Soforthilfe von 611 Millionen US-Dollar (rund 584 Millionen Euro) aufgerufen.

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