Barcelona, 9. Juli (AFP) - Neben wissenschaftlichen Bemühungen um ein Aids-Medikament will die Welt-Aids-Konferenz in Barcelona Aufklärung und Vorbeugung verstärken. Angesichts der hohen Sterblichkeit durch die Immunschwäche in den Entwicklungsländern und wegen der weltweit wieder zunehmenden Sorglosigkeit und Unkenntnis hinsichtlich der Ansteckungsrisiken, erörterten die Konferenzteilnehmer am Dienstag insbesondere Maßnahmen zur besseren Vorsorge.
Einer Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge bedarf es insbesondere einer neuen Werbeoffensive für den Gebrauch von Kondomen. In den mehr als 20 Jahren seit Entdeckung des HI-Virus habe sich das bislang einzig bewährte Aids-Verhütungsmittel nicht durchsetzen können. Den CDC-Statistiken zufolge benutzen heute männliche Erwachsene weltweilt kaum mehr als zwei Kondome pro Jahr. Die Zahl der Infizierten nehme nach wie vor nicht ab.
Unter den Homosexuellen, die von Anfang an besonders betroffen gewesen seien und deshalb früh ein hohes Gefahrenbewusstsein gezeigt hätten, sei die Zahl der Infizierten heute neun Mal so hoch wie bei heterosexuellen Frauen und Männern, betonen die Experten. Besonders betroffen sind demnach afro-amerikanische oder spanischstämmigen Homosexuelle.
Laut CDC ist Aids in 90 Prozent der Entwicklungsländern verbreitet. Dagegen fließen nur zehn Prozent der weltweiten Hilfsgelder in diese Länder, wie die Aids-Stiftung des Computerpioniers Bill Gates betonte. Die Stiftung stellte bislang eigenen Angaben zufolge umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro für die Aids-Bekämpfung bereit. Weltweit sind bereits mehr als 20 Millionen Menschen an Aids gestorben. Rund 40 Millionen tragen nach Schätzungen das Virus in sich.
Der Vorsitzende der International Aids-Impf-Initiative (IAVI) äußerte die Hoffnung, dass der "Heilige Gral der Aids-Impfstoffe" gefunden werde. Die am Montag angekündigten Massen-Impftests in Thailand unter der Leitung eines Generalstabs führender Forscher und mit großen finanziellen Mitteln bestärke IAVI in dem Glauben, dass es "ein lösbares Problem sei". Forscher hatten am Montag einen fünfjährigen Massentest an 16.000 Freiwilligen angekündigt. Mit zwei Impfstoffen wollen die Wissenschaftler bei einer Gruppe der Testpersonen die Antikörperbildung ankurbeln und die Abwehrzellen gegen HIV in Stellung bringen.
Am Donnerstag wollte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Barcelona eintreffen. Die Aids-Bekämpfung sei "eine Querschnittsaufgabe unserer gesamten Entwicklungsarbeit", erklärte Wieczorek-Zeul in Berlin. Die Auswirkungen von Aids hätten die Entwicklungsarbeit der vergangenen Jahrzehnte bedroht. Ihr Ministerium habe bislang mehr als 400 Millionen Euro zur Aidsbekämpfung bereit gestellt. Weitere 150 Milllionen stelle die Bundesregierung in den nächsten Jahren für den Globalen Fonds bereit.
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