agence france-presse
click here to return to agence france-presse main menu
DonateNow
UNO/Spanien/Gesundheit/Medizin/Aids: Wissenschaftler wecken Hoffnungen auf neue Medikamente gegen Aids - Forschungsergebnisse auf Konferenz in Barcelona vorgestellt
Agence France-Presse - Juli 8, 2002


Barcelona, 8. Juli (AFP) - Wissenschaftler auf der Aids-Konferenz in Barcelona haben Hoffnungen auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit geweckt. Ein neuartiges Medikament soll erstmals ein Eindringen des HI-Virus in die menschliche Zelle verhindern, wie die Pharmaunternehmen Roche und Trimeris am Montag mitteilten. Das US-Unternehmen VaxGen, das am ersten Impfstoff gegen Aids arbeitet, stellte "sehr gute Nachrichten in den kommenden Monaten" in Aussicht. Der Direktor des UN-Aids-Programms UNAIDS, Peter Piot, hatte insgesamt 15.000 Experten, Regierungsvertreter und Aids-Aktivisten am Vorabend zu einem entschlossenen Kampf gegen die Krankheit aufgefordert.

Das als bislang effektivstes Aidspräparat gehandelte Enfuvirtide (T-20) soll in wenigen Monaten auf den Markt kommen, wie die beteiligten Unternehmen aus der Schweiz und den USA mitteilten. Der so genannte "Fusionshemmer" ist das erste Medikament einer neuen Wirkstoffklasse. Anders als herkömmliche Mittel, die ihre Wirkung erst nach einer Infektion entfalten, hindert T-20 das Virus daran, überhaupt in die Zellen einzudringen. Der Stoff wurde an 112 Orten weltweit an mehr als 1000 Infizierten getestet, die gegenüber herkömmlichen Wirkstoffen bereits immun waren. Ein beteiligter US-Forscher sprach von "spektakulären, wunderbaren" Erfolgen. Das Medikament soll zunächst lediglich in Europa und Nordamerika erhältlich sein.

Auch bei der Suche nach Impfstoffen gegen Aids wurde am Rande der Konferenz in Barcelona von Fortschritten berichtet. Konkrete Angaben über den Stand der Forschung machte VaxGen-Chef Donald Francis jedoch nicht. Das kalifornische Biotechnologie-Unternehmen hatte 1998 als erste Firma die Erlaubnis der US-Regierung bekommen, einen Aids-Impfstoff am Menschen zu testen. Obwohl das HI-Virus seit zwei Jahrzehnten als Ursache für Aids bekannt ist, sind Heilung oder Impfung bislang nicht möglich. Mit teuren Medikamenten, zu denen in den Entwicklungsländern kaum jemand Zugang hat, kann bislang nur der Ausbruch der Krankheit verzögert werden.

Die Politik müsse ihre Versprechen endlich einhalten, sagte UNAIDS-Direktor Piot am Sonntagabend zur Eröffnung der größten Aidskonferenz der Geschichte. Jährlich müssten zehn Milliarden Dollar aufgebracht werden, um die Entwicklungsländer in ihrem Kampf gegen die Immunschwäche zu unterstützen. Vorbeugung und Behandlung müssten im großen Stil gefördert und Stigmatisierungen bekämpft werden. "Nicht verhandelbar" sei die Suche nach einem Impfstoff gegen die Krankheit, betonte Piot. UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte in einer Grußbotschaft, das einwöchige Treffen vereine "die weltbesten Experten, die entschlossensten Entscheider und die energischsten Aktivisten".

Der Vorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung, Ulrich Heide, warnte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk davor, Aids "nur als Problem des anderen wahrzunehmen". Osteuropäische Länder, in denen derzeit die stärkste Zunahme an HIV-Infektionen zu beobachten sei, wiederholten in dieser Hinsicht die Fehler aus Afrika von vor zehn Jahren. Auf breite Aufklärung dürfe aber nicht verzichtet werden. Auch für Deutschland könne keine Entwarnung gegeben werden, sagte Heide. Nie hätten hier so viele Menschen mit dem HI-Virus gelebt wie heute.

Ein britischer Verbraucherschutzverband warnte am Rande einer ISO-Konferenz für internationale Normung in Kuala Lumpur vor einer Lockerungen der Normen für synthetische Kondome. Die Hersteller hätten einen "nicht annehmbar niedrigen Standard" vorgeschlagen, kritisierte die Organisation Consumers International. Sollte die Fehlerrate von fünf Prozent zur allgemeinen Norm werden, drohten täglich mehr als eine Million neue HIV-Infektionen und ungewollte Schwangerschaften. Für Kunsttoffkondome gibt es derzeit keine internationalen Normen. Für die weiter verbreiteten Latex-Präservative gilt eine Fehlerrate von 1,5 Prozent als Grenzwert.

+++ Die Aids-Konferenz im Internet unter www.aids2002.com +++

020708
AF020772_DE


© Agence France-Presse 2002. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung, insbesondere die Speicherung in Datenbanken, Veröffentlichung, Vervielfältigung und jede Form von gewerblicher Nutzung sowie die Weitergabe an Dritte - auch in Teilen oder in überarbeiteter Form - ohne Zustimmung von AFP Agence France-Presse sind untersagt.   http://www.afp.com/

AEGiS is made possible through unrestricted grants from Boehringer Ingelheim, the National Library of Medicine, and donations from users like you. Always watch for outdated information. This article first appeared in 2002. This material is designed to support, not replace, the relationship that exists between you and your doctor.

©1990, 2002 - AEGiS. AEGiS presents published material, reprinted with permission and neither endorses nor opposes any material. All materials appearing on AEGiS are protected by copyright as a collective work or compilation under U.S. copyright and other laws and are the property of AEGiS, or the party credited as the provider of the content.